Wenn Du Dich fragst, ob eine Symphysenlockerung nach der Geburt einfach von allein verschwindet: Ich kann Dir mittlerweile aus eigener Erfahrung antworten, aber die ehrliche Antwort ist trotzdem nicht ganz so einfach, wie ich sie mir vorher gewünscht hätte.

Meine erste Woche im Wochenbett: genauso schlimm wie am Ende der Schwangerschaft

Ich hätte gedacht, dass es mit der Geburt nur noch bergauf geht. In der ersten Woche im Wochenbett waren die Symphysenschmerzen dann genauso stark wie am Ende meiner Schwangerschaft, und das, obwohl ich in dieser Woche wegen meiner Geburtsverletzungen durchgängig Ibuprofen genommen habe. Das war für mich ehrlich gesagt ernüchternd, weil ich mit der Geburt eigentlich den Schlusspunkt unter dieses Thema gesetzt hatte, zumindest gedanklich.

Woche zwei: die überraschende Wende

Dass sich in der zweiten Woche dann plötzlich eine deutliche Besserung eingestellt hat, hat mich wirklich überrascht, weil ich nach der ersten Woche eher mit einem langsamen, zähen Verlauf gerechnet hatte. Es ging nicht schleichend bergauf, sondern eher wie ein Umschalten von einem Tag auf den anderen.

Gut zehn Wochen später: besser, aber nicht weg

Seitdem ist es deutlich besser geblieben, ganz weg sind die Schmerzen aber auch gut zehn Wochen nach der Geburt nicht. Klassische Symphysenschmerzen sind es nicht mehr, sie sitzen weiter unten im Becken, so wie am Ende der Schwangerschaft auch schon, und sie sind deutlich schwächer als damals. Ich merke sie vor allem beim Spazierengehen und bei Übungen für den Unterkörper, besonders wenn ich dabei auf einem Bein stehe. Dazu kommt bei etwas längeren Spaziergängen ein starker Druck nach unten, der mich im Alltag ehrlich gesagt mehr einschränkt, als ich erwartet hätte. Ich will das nicht verallgemeinern, mein Körper ist nicht Dein Körper, und auch das Ibuprofen aus der ersten Woche war eine individuelle Verordnung wegen meiner Geburtsverletzungen, keine allgemeine Empfehlung bei Symphysenschmerzen.

Warum ich das nicht auf jede Frau übertragen würde

Mein eigener Verlauf ist trotzdem nur eine einzelne Erfahrung, und ich wollte wissen, wie typisch das eigentlich ist. Also habe ich mir angeschaut, was die Studienlage zum üblichen Verlauf nach der Geburt sagt. Von meinem eigenen Verlauf auf alle anderen zu schließen, wäre mir zu einfach gewesen.

Was für die meisten Frauen tatsächlich zutrifft

Bei den meisten Frauen bilden sich die Beschwerden innerhalb weniger Wochen bis Monate nach der Geburt von allein zurück, häufig wird ein Zeitraum von rund sechs Monaten genannt, bis die Symphyse wieder ihre ursprüngliche Stabilität erreicht hat. Das Becken bleibt in dieser Zeit noch instabil, weil die lockernden Hormone nachwirken und die beanspruchte Muskulatur, insbesondere Beckenboden und tiefe Bauchmuskulatur, sich erst zurückbilden muss.

Was mich überrascht hat: ein relevanter Teil hat auch später noch Schmerzen

Was mich bei der Recherche wirklich überrascht hat: Eine Studie von Huang und Kolleginnen aus dem Jahr 2023 kommt zu dem Ergebnis, dass noch 14 Wochen nach der Geburt rund 27 % der betroffenen Frauen von Beckenschmerzen berichten. Das ist mehr als drei Monate nach der Geburt, also deutlich außerhalb des Zeitraums, den ich als "normale Rückbildung" im Kopf hatte. Und in selteneren Fällen können die Beschwerden sich sogar über Jahre hinziehen, dann spricht man von einer postpartalen Symphyseninstabilität.

Was das Risiko für anhaltende Beschwerden erhöht

Das systematische Review von Burani und Kolleginnen aus dem Jahr 2021 hat mir dabei geholfen einzuordnen, wer eher betroffen ist: Ein höheres Schmerzniveau während der Schwangerschaft, frühere Probleme mit Becken oder Rücken, ein höherer BMI und wenig körperliche Aktivität erhöhen demnach das Risiko, dass die Beschwerden über die Geburt hinaus bestehen bleiben. Das sind genau die Punkte, an denen man mit gezielter Vorbereitung ansetzen kann, bevor die nächste Schwangerschaft überhaupt beginnt.

Quellen zu diesem Artikel
  • Huang et al. (2023): Fallkontrollstudie zu klinischen Merkmalen und Risikofaktoren der symptomatischen postpartalen Symphysendiastase, u. a. zur Häufigkeit anhaltender Beckenschmerzen 14 Wochen nach der Geburt.BMC Pregnancy and Childbirth
  • Burani et al. (2021): Systematisches Review zu Risikofaktoren für anhaltende Beckengürtelschmerzen nach der Geburt.Systematic Review

Was das für meine Vorbereitung bedeutet

Für mich heißt das vor allem, dass ich mich nicht darauf verlassen will, dass sich das alles von allein erledigt, weder jetzt noch beim nächsten Mal. Aktuell hat bei mir die Rückbildung Priorität, gezieltes Training für Beckenboden und Rumpf wäre für meinen Körper im Moment noch zu viel, und demnächst habe ich einen Termin in einem Beckenboden-Zentrum, um meine Beschwerden abklären zu lassen. Aber weil geringere Schmerzintensität während der Schwangerschaft und mehr körperliche Aktivität als schützende Faktoren gelten, ist mein Plan, danach genau da anzusetzen, solange ich noch die Möglichkeit dazu habe: vor der nächsten Schwangerschaft, mit gezieltem Training für Beckenboden und die umliegende Muskulatur.

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Häufige Fragen

Verschwindet eine Symphysenlockerung direkt nach der Geburt?

Nicht unbedingt sofort. In der ersten Woche im Wochenbett können die Beschwerden noch genauso stark sein wie am Ende der Schwangerschaft. Bei vielen Frauen bessert sich das aber innerhalb der ersten Wochen deutlich.

Wie lange dauert es normalerweise, bis die Symphyse wieder stabil ist?

Bei den meisten Frauen bilden sich die Beschwerden innerhalb weniger Wochen bis Monate nach der Geburt zurück, häufig wird ein Zeitraum von rund sechs Monaten genannt, bis die Symphyse wieder ihre ursprüngliche Stabilität erreicht hat.

Wie viele Frauen haben auch Monate nach der Geburt noch Beckenschmerzen?

Eine Studie von Huang und Kolleginnen aus dem Jahr 2023 kommt zu dem Ergebnis, dass noch 14 Wochen nach der Geburt rund 27 % der betroffenen Frauen von Beckenschmerzen berichten. In selteneren Fällen können die Beschwerden sich sogar über Jahre hinziehen (postpartale Symphyseninstabilität).

Was erhöht das Risiko für anhaltende Beschwerden nach der Geburt?

Laut einem systematischen Review von Burani und Kolleginnen aus dem Jahr 2021 erhöhen ein höheres Schmerzniveau während der Schwangerschaft, frühere Probleme mit Becken oder Rücken, ein höherer BMI und wenig körperliche Aktivität das Risiko, dass die Beschwerden über die Geburt hinaus bestehen bleiben.

Wann Du zusätzlich professionelle Unterstützung suchen solltest

Wenn Deine Beschwerden auch Wochen nach der Geburt nicht spürbar besser werden oder sogar zunehmen, würde ich das nicht einfach aussitzen. Eine Physiotherapie kann einschätzen, ob es sich um eine normale, wenn auch länger dauernde Rückbildung handelt oder ob gezielte Behandlung sinnvoll ist. Sprich das am besten auch bei Deiner Nachsorgeuntersuchung an.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel stellt keine medizinische Diagnose oder Behandlung dar und ersetzt keine individuelle physiotherapeutische oder ärztliche Beratung. Bei bestehenden oder unklaren Beschwerden sprich vorab mit einer Physiotherapie oder Deiner Frauenärztin/Deinem Frauenarzt.

Merk Dir das für die nächste Schwangerschaft

Wenn Du diesen Artikel liest, weil Du gerade schwanger bist oder frisch entbunden hast: Für das Jetzt ändert er wenig, er beantwortet eher die Frage, was danach kommt.

Falls danach irgendwann ein weiteres Kind ansteht, liegt das nutzbare Zeitfenster nach der Rückbildung. Ich habe für diese Phase einen 8-Wochen-Plan entwickelt und mit meiner Physiotherapeutin besprochen, »Beckenfit vor Baby Nr. 2«. Durchgezogen habe ich ihn selbst noch nicht, weil bei mir gerade auch erst die Rückbildung läuft.