Wenn Du Dich fragst, ob eine Symphysenlockerung nach der Geburt einfach von allein verschwindet: Ich kann Dir mittlerweile aus eigener Erfahrung antworten, aber die ehrliche Antwort ist trotzdem nicht ganz so einfach, wie ich sie mir vorher gewünscht hätte.
Meine erste Woche im Wochenbett: genauso schlimm wie am Ende der Schwangerschaft
Ich hätte gedacht, dass es mit der Geburt nur noch bergauf geht. Stattdessen waren die Symphysenschmerzen in der ersten Woche im Wochenbett genauso stark wie am Ende meiner Schwangerschaft, und das, obwohl ich in dieser Woche wegen meiner Geburtsverletzungen durchgängig Ibuprofen genommen habe. Das war für mich ehrlich gesagt ernüchternd, weil ich mit der Geburt eigentlich den Schlusspunkt unter dieses Thema gesetzt hatte, zumindest gedanklich.
Woche zwei: die überraschende Wende
Dass sich in der zweiten Woche dann plötzlich eine deutliche Besserung eingestellt hat, hat mich wirklich überrascht, weil ich nach der ersten Woche eher mit einem langsamen, zähen Verlauf gerechnet hatte. Es ging nicht schleichend bergauf, sondern eher wie ein Umschalten von einem Tag auf den anderen.
Ab Woche drei: schmerzfrei
Ab der dritten Woche hatte ich dann gar keine Symphysenschmerzen mehr. Ich will das nicht verallgemeinern, mein Körper ist nicht Dein Körper, und auch das Ibuprofen aus der ersten Woche war eine individuelle Verordnung wegen meiner Geburtsverletzungen, keine allgemeine Empfehlung bei Symphysenschmerzen. Aber für mich persönlich war es ermutigend zu sehen, dass es tatsächlich innerhalb weniger Wochen komplett vorbei sein kann, auch wenn sich die erste Woche noch anders angefühlt hat.
Warum ich trotzdem nicht davon ausgehe, dass das bei jeder Frau so schnell geht
Genau deshalb wollte ich es bei meiner eigenen Erfahrung nicht belassen und habe mir angeschaut, was die Studienlage zum üblichen Verlauf sagt. Dass das Hormon Relaxin, das die Bänder im Becken während der Schwangerschaft lockert, nach der Geburt nicht sofort verschwindet, sondern noch eine Weile nachwirkt, und dass die Geburt selbst das Becken zusätzlich beansprucht, war mir vorher auch nicht klar.
Was für die meisten Frauen tatsächlich zutrifft
Bei den meisten Frauen bilden sich die Beschwerden innerhalb weniger Wochen bis Monate nach der Geburt von allein zurück, häufig wird ein Zeitraum von rund sechs Monaten genannt, bis die Symphyse wieder ihre ursprüngliche Stabilität erreicht hat. Das Becken bleibt in dieser Zeit noch instabil, weil die lockernden Hormone nachwirken und die beanspruchte Muskulatur, insbesondere Beckenboden und tiefe Bauchmuskulatur, sich erst zurückbilden muss.
Was mich überrascht hat: ein relevanter Teil hat auch später noch Schmerzen
Was mich bei der Recherche wirklich überrascht hat: Eine Studie von Huang und Kolleginnen aus dem Jahr 2023 kommt zu dem Ergebnis, dass noch 14 Wochen nach der Geburt rund 27 % der betroffenen Frauen von Beckenschmerzen berichten. Das ist mehr als drei Monate nach der Geburt, also deutlich außerhalb des Zeitraums, den ich als "normale Rückbildung" im Kopf hatte. Und in selteneren Fällen können die Beschwerden sich sogar über Jahre hinziehen, dann spricht man von einer postpartalen Symphyseninstabilität.
Quellen zu diesem Artikel
- Huang et al. (2023): Fallkontrollstudie zu klinischen Merkmalen und Risikofaktoren der symptomatischen postpartalen Symphysendiastase, u. a. zur Häufigkeit anhaltender Beckenschmerzen 14 Wochen nach der Geburt.
- Burani et al. (2021): Systematisches Review zu Risikofaktoren für anhaltende Beckengürtelschmerzen nach der Geburt.
Was das Risiko für anhaltende Beschwerden erhöht
Das systematische Review von Burani und Kolleginnen aus dem Jahr 2021 hat mir dabei geholfen einzuordnen, wer eher betroffen ist: Ein höheres Schmerzniveau während der Schwangerschaft, frühere Probleme mit Becken oder Rücken, ein höherer BMI und wenig körperliche Aktivität erhöhen demnach das Risiko, dass die Beschwerden über die Geburt hinaus bestehen bleiben. Das sind genau die Punkte, an denen man mit gezielter Vorbereitung ansetzen kann, bevor die nächste Schwangerschaft überhaupt beginnt.
Was das für meine Vorbereitung bedeutet
Für mich heißt das vor allem, dass ich froh bin, wie schnell es bei mir ging, aber mich trotzdem nicht darauf verlassen will, dass das beim nächsten Mal wieder genauso läuft. Aktuell hat bei mir erstmal die Rückbildung Priorität, gezieltes Training für Beckenboden und Rumpf wäre jetzt, so kurz nach der Geburt, ohnehin zu früh, dem Körper muss ich diese Ruhe erstmal geben. Aber weil geringere Schmerzintensität während der Schwangerschaft und mehr körperliche Aktivität als schützende Faktoren gelten, ist mein Plan, danach genau da anzusetzen, solange ich noch die Möglichkeit dazu habe: vor der nächsten Schwangerschaft, mit gezieltem Training für Beckenboden und die umliegende Muskulatur.
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Beckenfit-Guide ansehenWann Du zusätzlich professionelle Unterstützung suchen solltest
Wenn Deine Beschwerden auch Wochen nach der Geburt nicht spürbar besser werden oder sogar zunehmen, würde ich das nicht einfach aussitzen. Eine Physiotherapie kann einschätzen, ob es sich um eine normale, wenn auch länger dauernde Rückbildung handelt oder ob gezielte Behandlung sinnvoll ist. Sprich das am besten auch bei Deiner Nachsorgeuntersuchung an.