Wenn Du Dich fragst, warum Becken- und Symphysenschmerzen in einer zweiten Schwangerschaft überhaupt wiederkommen können: Ich habe mir genau das angeschaut, weil ich verstehen wollte, was in meinem Körper eigentlich passiert, bevor ich mich weiter mit der Vorbereitung auf eine zweite Schwangerschaft beschäftige. Und dabei etwas gefunden, das die gängige Erklärung ziemlich in Frage stellt.

Die Erklärung, die ich überall gelesen habe

Die weitverbreitete Erklärung lautet: Das Hormon Relaxin lockert während der Schwangerschaft die Bänder, damit sich das Becken für die Geburt öffnen kann, und genau das verursacht die Schmerzen. Das wird online eigentlich durchgehend als Fakt dargestellt. Als ich mir angeschaut habe, was Übersichtsarbeiten dazu tatsächlich sagen, war ich überrascht: Die Studienlage zum Zusammenhang zwischen Relaxin und Beckenschmerzen ist tatsächlich schwach und uneinheitlich. Die genaue Ursache der Schmerzen gilt in der Forschung nach wie vor als nicht vollständig geklärt.

Was die Forschung wirklich sagt: Hormone und Muskulatur zusammen

Für mich war der eigentlich einleuchtende Punkt ein anderer: Es liegt offenbar nicht nur an den Hormonen, nach dem Motto "der Körper wird halt weich". Muskelkontrolle, Bewegungsmuster und die Stabilität rund ums Becken scheinen ebenfalls eine Rolle zu spielen. Das ist aus meiner Sicht auch der Punkt, der überhaupt erst erklärt, warum gezieltes Training etwas bringen kann. Wären es wirklich nur die Hormone, könnte man ohnehin nichts tun. Weil aber auch trainierbare, muskuläre Faktoren mit reinspielen, gibt es einen echten Ansatzpunkt.

Was mir persönlich Hoffnung gemacht hat

Ein Punkt aus der Forschung hat mir dabei besonders Mut gemacht: Fehlendes Training vor der Schwangerschaft wurde als einer von mehreren Risikofaktoren für Beckenschmerzen identifiziert. Wer sich vorher bewegt, hat also tendenziell ein geringeres Risiko. Wichtig ist mir dabei, das nicht überzubewerten: Das ist ein Zusammenhang aus Beobachtungsstudien, kein Beweis dafür, dass Training die Schmerzen ursächlich verhindert. Für mich persönlich war es trotzdem ein ermutigendes Signal, dass ich hier nicht komplett machtlos bin.

Was überraschenderweise keine Rolle spielt

Ein Faktor, den ich eigentlich erwartet hätte, hat sich in Studien nicht als eigenständiger Risikofaktor gezeigt: der zeitliche Abstand zwischen den Schwangerschaften selbst. Das fand ich persönlich interessant, weil es zeigt, dass nicht die Zeit an sich schützt, sondern eher das, was man mit dieser Zeit macht.

Quellen zu diesem Artikel
  • Wuytack, Begley & Daly (2020): Scoping Review zu Risikofaktoren für schwangerschaftsbedingte Beckengürtelschmerzen, u. a. zur Studienlage bezüglich Relaxin und zu muskulär-biomechanischen Faktoren.BMC Pregnancy and Childbirth
  • Kanakaris, Roberts & Giannoudis (2011): Update zu schwangerschaftsbedingten Beckenringschmerzen, u. a. zur Wiederkehr-Rate in einer erneuten Schwangerschaft.BMC Medicine

Für mich war die wichtigste falsche Annahme, die ich mit dieser Recherche für mich selbst richtiggestellt habe: dass es einfach an den Hormonen liegt und man sowieso nichts tun kann. Laut Studienlage gibt es eben auch trainierbare, muskuläre Faktoren, und genau da setzt meine Vorbereitung auf eine zweite Schwangerschaft an.

Der Ansatzpunkt, den ich selbst nutze

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Häufige Fragen

Liegt es bei Beckenschmerzen in der Schwangerschaft wirklich nur an den Hormonen?

Das ist die weitverbreitete Erklärung, aber die Studienlage zum Zusammenhang zwischen dem Hormon Relaxin und Beckenschmerzen ist tatsächlich schwach und uneinheitlich. Die genaue Ursache gilt in der Forschung nach wie vor als nicht vollständig geklärt.

Welche Rolle spielt die Muskulatur bei Beckenschmerzen in der Schwangerschaft?

Muskelkontrolle, Bewegungsmuster und die Stabilität rund ums Becken scheinen neben den Hormonen ebenfalls eine Rolle zu spielen. Das erklärt auch, warum gezieltes Training überhaupt etwas bringen kann.

Hilft es, schon vor der Schwangerschaft trainiert zu haben?

Fehlendes Training vor der Schwangerschaft wurde als einer von mehreren Risikofaktoren für Beckenschmerzen identifiziert. Wichtig dabei: Das ist ein Zusammenhang aus Beobachtungsstudien, kein Beweis, dass Training die Schmerzen ursächlich verhindert.

Spielt der zeitliche Abstand zwischen den Schwangerschaften eine Rolle für das Risiko?

Überraschenderweise hat sich der zeitliche Abstand zwischen den Schwangerschaften in Studien nicht als eigenständiger Risikofaktor gezeigt. Was offenbar zählt, ist das, was man mit dieser Zeit macht.

Wann Du zusätzlich professionelle Unterstützung suchen solltest

Diese Erklärungsansätze sind allgemeiner Natur und ersetzen keine individuelle Diagnose. Wenn Du aktuell Beschwerden hast oder unsicher bist, was bei Dir konkret die Ursache ist, sprich mit einer Physiotherapie oder Deiner Frauenärztin bzw. Deinem Frauenarzt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel stellt keine medizinische Diagnose oder Behandlung dar und ersetzt keine individuelle physiotherapeutische oder ärztliche Beratung. Bei bestehenden oder unklaren Beschwerden sprich vorab mit einer Physiotherapie oder Deiner Frauenärztin/Deinem Frauenarzt.