Wenn Du gerade das erste Mal "Symphysenschmerzen" googelst, weil Du schon einmal betroffen warst und jetzt über ein zweites Kind nachdenkst: Ich war genau da, wo Du jetzt wahrscheinlich bist. Und ich schreibe hier nicht als Physiotherapeutin oder Ärztin, sondern als Mutter, die diese Schmerzen selbst erlebt hat und sich seitdem sehr genau angeschaut hat, was man vorher tun kann.

Wie es bei mir angefangen hat

In der 33. Schwangerschaftswoche hatte ich eines Nachmittags beim Gehen plötzlich Schmerzen in der Leiste, die Richtung Symphyse und Oberschenkel gezogen haben. In den nächsten Tagen wurden sie immer schlimmer, irgendwann konnte ich kaum noch aufstehen. Am schlimmsten war es direkt nach dem Aufstehen, beim Gehen wurde es nach ein paar Minuten etwas besser, aber weg waren die Schmerzen nie. Besonders schlimm war es beim Umdrehen im Bett oder wenn ich meine Sitzposition verändert habe.

Im Laufe der Wochen sind die Schmerzen dann weiter gewandert, erst Richtung Schambein, irgendwann fast bis zu den Sitzbeinhöckern. In der 39. Woche war es teilweise so schlimm, dass ich mir beim Hinlegen oder Umdrehen im Bett auf die Lippen beißen musste, um es auszuhalten.

Nach ein paar Tagen mit den Schmerzen habe ich zwei Tage komplett Schonung versucht, nur liegen, in der Hoffnung, dass sich die Symphyse dadurch erholt. Hat leider gar nichts gebracht. Irgendwann bin ich einmal komplett in Tränen ausgebrochen, weil ich nicht wusste, wie ich die letzten zwei Monate noch überstehen soll, wenn ich gar nichts mehr machen kann. Nicht rausgehen, kein Haushalt, kein Sport. Selbst auf dem Sofa liegen und Youtube gucken hat wehgetan.

Im Alltag konnte ich irgendwann nur noch sehr langsam gehen, natürlich im typischen Schwangerschafts-Watschelgang, beim Kochen konnte ich nicht mehr lange stehen, und mein Fitnesstraining als Geburtsvorbereitung musste ich komplett einstellen.

Was mir angeboten wurde, und was davon geholfen hat

Meine Frauenärztin hat mir eine Rückenorthese verschrieben. Die habe ich beim Gehen getragen, war ganz angenehm als Unterstützung für den Bauch, an den Schmerzen selbst hat sie aber nichts geändert. Ich war auch dreimal bei der Krankengymnastik, dort wurden mir Übungen für Core- und Hüftmuskulatur gezeigt. Beim Ausführen dieser Übungen hatte ich allerdings selbst starke Schmerzen, weshalb ich sie nicht konsequent gemacht habe. Meine Hebamme hat mir noch Symphytum Globuli und Gummibärchen mit Gelatine empfohlen. Lecker waren die, haha, verändert hat sich dadurch aber natürlich nichts.

Im Internet fand ich vor allem die Tipps "bewege Dich möglichst wenig" und "lass beim Umdrehen im Bett die Knie zusammen", was ich zu dem Zeitpunkt ohnehin gezwungenermaßen so gemacht habe, weil es anders gar nicht mehr ging.

Was ich mir gewünscht hätte, vorher zu wissen

Ich habe vor meiner ersten Schwangerschaft jahrelang ganz viele Mamas auf Social Media verfolgt und trotzdem noch nie von Symphysenschmerzen gehört. Klar ist logisch, dass man am Ende der Schwangerschaft in seinen Bewegungen etwas eingeschränkt ist, aber ich dachte, das liegt vor allem am großen Bauch. Wie sehr das den Alltag wirklich einschränken kann, wusste ich nicht. Auf Social Media wird eben meistens nur das perfekte Leben gezeigt, wo Mütter alles easy hinkriegen. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mich vielleicht schon vor oder ganz am Anfang der Schwangerschaft damit beschäftigt, wie man das vorbeugen kann. Oder ich wäre einfach überzeugt gewesen, dass mich das schon nicht treffen wird, haha.

Warum mir jetzt, mit Kinderwunsch Nr. 2, ganz anders zumute ist

In der ersten Schwangerschaft war die Einschränkung an sich noch zu ertragen, weil ich von der Arbeit freigestellt war und keine wichtigen Verpflichtungen hatte. Mein Mann konnte den Haushalt in der Zeit übernehmen, und wo mal was liegen blieb, war das auch okay. Aber wenn ich jetzt daran denke, nochmal hochschwanger mit solchen Schmerzen dazustehen und gleichzeitig ein kleines Kind zu haben, um das man sich rund um die Uhr kümmern muss, dann weiß ich ehrlich gesagt nicht, wie ich das ein zweites Mal machen soll.

In der 38. Schwangerschaftswoche kam mir deshalb zum ersten Mal die Idee: Kann man nicht schon vor der Schwangerschaft Übungen machen, um das vorzubeugen? Bei der Krankengymnastik ging es ja auch vor allem darum, die Muskulatur rund um das Becken zu stärken. Also habe ich angefangen, mich damit zu beschäftigen und zu recherchieren, was es dazu eigentlich an Wissen gibt.

Wie hoch ist das Risiko, dass die Beschwerden wiederkehren?

Das erste, was ich dabei rausgefunden habe: Ein erhöhtes Risiko für erneute Beckengürtelschmerzen in einer weiteren Schwangerschaft ist in der Forschung dokumentiert, wenn schon eine vorherige Schwangerschaft betroffen war. Das heißt nicht automatisch, dass es genauso schlimm wird wie beim ersten Mal, aber es ist ein reales Thema. Genau deshalb macht eine gezielte Vorbereitung mehr Sinn, als einfach abzuwarten und zu hoffen.

Warum die Zeit vor der Schwangerschaft der bessere Ansatzpunkt ist

Das geht logischerweise viel besser, wenn man noch nicht schwanger ist, weil man bei der Übungsauswahl nicht so eingeschränkt ist und intensiver trainieren kann als mit wachsendem Bauch und gelockerten Bändern. Meine Physiotherapeutin hat mir da zugestimmt, als ich sie darauf angesprochen habe.

So habe ich angefangen, einen Trainingsplan für die Zeit vor meiner zweiten Schwangerschaft zu entwickeln. Im Zentrum steht dabei der Aufbau von Becken- und Rumpfstabilität, also gezielt die Muskulatur zu stärken, die das Becken stabilisiert, bevor die hormonell bedingte Bänderlockerung und das steigende Gewicht überhaupt einsetzen.

Was in dieser Phase konkret sinnvoll ist

Der Trainingsplan, den ich mir damals gewünscht hätte

»Beckenfit vor Baby Nr. 2« ist der 8-Wochen-Trainingsplan, den ich aus genau dieser Erfahrung heraus entwickelt habe. Für Beckenboden, Rumpf und Hüfte, 15–25 Minuten, 3× pro Woche, gedacht für die Zeit vor der nächsten Schwangerschaft.

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Was die Studienlage wirklich hergibt

Eine systematische Übersichtsarbeit zu stabilisierenden Übungen bei Becken- und Symphysenschmerzen zeigt vielversprechende, aber noch nicht abschließend gesicherte Ergebnisse. Es gibt also keine Garantie, dass gezieltes Training Beschwerden in einer erneuten Schwangerschaft vollständig verhindert. Was sich aber begründen lässt: Eine gezielte Stärkung von Beckenboden, Rumpf und Hüfte vor der Schwangerschaft ist eine sinnvolle Vorbereitung, um den Körper besser auf die kommende Belastung vorzubereiten.

Quellen zu diesem Artikel
  • Almousa, Lamprianidou & Kitsoulis (2018): systematische Übersichtsarbeit zur Wirksamkeit stabilisierender Übungen bei Becken-/Symphysenschmerzen in und nach der Schwangerschaft.Physiotherapy Research International
  • Kanakaris, Roberts & Giannoudis (2011): Update zu schwangerschaftsbedingten Beckenringschmerzen, u. a. zur Wiederkehr-Rate in einer erneuten Schwangerschaft.BMC Medicine
  • Stuge, Lærum, Kirkesola & Vøllestad (2004): randomisiert-kontrollierte Studie zu gezieltem Stabilisationstraining bei Beckenringschmerzen nach der Schwangerschaft.Spine

Wann Du zusätzlich professionelle Unterstützung suchen solltest

Bestehen aktuell Beschwerden, oder ist unklar, ob eine Belastung im Beckenbereich unbedenklich ist, ersetzt kein Artikel und kein Trainingsplan die individuelle Einschätzung. Sprich in diesem Fall zuerst mit einer Physiotherapie oder Deiner Frauenärztin bzw. Deinem Frauenarzt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel stellt keine medizinische Diagnose oder Behandlung dar und ersetzt keine individuelle physiotherapeutische oder ärztliche Beratung. Bei bestehenden oder unklaren Beschwerden sprich vorab mit einer Physiotherapie oder Deiner Frauenärztin/Deinem Frauenarzt.