Kurz gesagt: kaum einen. Solange kein konkreter Mangelverdacht dokumentiert ist und die Schwangerschaft noch nicht bestätigt ist, zahlt die gesetzliche Krankenkasse fast keinen der Blutwerte, die bei Kinderwunsch interessant wären. Was sie doch übernimmt, hängt an ganz anderen Bedingungen als daran, ob ein Wert für Deine Vorbereitung sinnvoll ist.

Warum "Kinderwunsch" für die Kasse keine eigene Kategorie ist

Ich bin am Anfang selbst davon ausgegangen, dass es sowas wie ein Kinderwunsch-Paket geben müsste, eine Handvoll Blutwerte, die die Kasse zahlt, sobald man ihr sagt, dass man schwanger werden will. Gibt es nicht. Die gesetzliche Krankenversicherung kennt die Lebenslage Kinderwunsch nicht als eigenen Abrechnungsgrund. Sie kennt drei Dinge, an denen sie eine Kostenübernahme festmacht: eine bestätigte Schwangerschaft, einen dokumentierten medizinischen Verdacht, oder eine formal eingeleitete Behandlung wie eine künstliche Befruchtung. Wer sich vorbereiten will, aber in keine dieser drei Kategorien fällt, zahlt selbst, und das trifft auf die meisten Frauen zu, die diesen Artikel lesen.

Was die Mutterschaftsvorsorge zahlt, und warum sie hier nicht hilft

Die Mutterschaftsrichtlinien regeln, welche Blutwerte während einer Schwangerschaft Kassenleistung sind, und die Liste ist eigentlich ziemlich lang: Blutgruppe und Rhesusfaktor, Röteln-Antikörper, ein Test auf Syphilis, Hepatitis B, die freiwillige HIV-Untersuchung, irreguläre Antikörper und der Hämoglobinwert gehören zur Erstuntersuchung, dazu kommen im weiteren Verlauf wiederholte Kontrollen. Das Problem für die Frage, um die es hier geht: All das beginnt erst mit der Feststellung der Schwangerschaft. Vorher, in der Zeit, in der Du versuchst, schwanger zu werden oder Dich gezielt darauf vorbereitest, greift diese Richtlinie schlicht noch nicht. Sie ist an einen positiven Test geknüpft. Der Wunsch danach reicht dafür nicht.

Was die Kasse zahlt, sobald eine künstliche Befruchtung ansteht

Es gibt einen zweiten Fall, in dem die Kasse tatsächlich Blutwerte vor einer Schwangerschaft übernimmt, und der wird oft übersehen, weil er nur eine sehr spezielle Gruppe betrifft. Die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über künstliche Befruchtung schreibt vor beiden Partnern eine Infektionsserologie vor, bevor überhaupt Keimzellen entnommen werden: Anti-HIV-1,2, HBsAg, Anti-HBc und Anti-HCV-Ab, durchgeführt innerhalb von drei Monaten vor der ersten Keimzellgewinnung. Das ist eine echte Kassenleistung. Aber sie greift ausschließlich, weil eine formale künstliche Befruchtung eingeleitet wird, also IUI, IVF oder ICSI, mit allem, was dafür an vorheriger Diagnostik und Antragstellung dazugehört. Wer noch gar nicht in diesem Prozess ist und einfach nur vorbereitet in eine Schwangerschaft starten will, bekommt aus dieser Richtlinie nichts.

Warum TSH und Nährstoffwerte fast immer Selbstzahler sind

Beim TSH-Wert, also dem Schilddrüsenwert, den ich selbst erst spät auf dem Schirm hatte, gilt dieselbe Logik wie bei allen Nährstoffwerten: Die Kasse zahlt, wenn ein ärztlich begründeter Verdacht vorliegt, zum Beispiel bei Symptomen, die auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung hindeuten. Ohne diesen Anlass ist der Test eine individuelle Gesundheitsleistung, für rund 17 bis 21 € inklusive Blutabnahme. Für Vitamin D, Ferritin, Zink, Selen, B12 oder Jod gilt es genauso: Erst wenn aus einer ausführlichen Anamnese und einer körperlichen Untersuchung ein konkreter Mangelverdacht folgt, darf die Ärztin oder der Arzt zu Lasten der Kasse abrechnen. Ein Check auf Verdacht, ohne dass irgendetwas dafür spricht, bleibt Selbstzahlerleistung, egal wie sinnvoll er im Einzelfall wäre.

Quellen zu diesem Artikel
  • Gemeinsamer Bundesausschuss: Richtlinie über künstliche Befruchtung, Punkt 6 und 12.1, Infektionsserologie vor Keimzellgewinnung.G-BA-Richtlinie, Fassung vom 16.12.2021
  • Mutterschaftsrichtlinien: Blutuntersuchungen der Erstuntersuchung und im weiteren Schwangerschaftsverlauf.Gemeinsamer Bundesausschuss
  • Verbraucherzentrale: Kostenübernahme von Mikronährstoffuntersuchungen nur bei dokumentiertem Mangelverdacht, sonst individuelle Gesundheitsleistung.verbraucherzentrale.de
  • Apotheken Umschau: TSH-Bestimmung als Kassenleistung nur bei ärztlich begründetem Verdacht, sonst IGeL für rund 17 bis 21 €.apotheken-umschau.de

Wenn Du weißt, dass Du selbst zahlst

»Nährstoffbereit vor der Schwangerschaft« enthält einen vollständigen Plan B für den wahrscheinlichsten Fall, dass sich niemand findet, der Deine Werte einordnet, und für den Fall, dass Du die Kosten selbst trägst, ein Laborpanel mit echten Selbstzahlerpreisen. Dazu 12 Nährstoff-Steckbriefe und 11 Arbeitsblätter.

Nährstoffbereit ansehen

Die Trennung, die nicht am Nutzen hängt

Das ist eigentlich der Punkt, an dem ich beim Recherchieren am längsten hängengeblieben bin. Ich habe mir zehn eigene Laborwerte messen lassen, bevor ich schwanger wurde, für insgesamt 145,90 €, alles als Selbstzahlerin. Über den Nutzen dieser Werte sagt das gar nichts aus, für mich waren sie der Ausgangspunkt für die ganze Vorbereitung. Die Kasse hat sie deshalb nicht übernommen, weil keiner von ihnen an einen der drei Anlässe geknüpft war, die sie anerkennt. Gleichzeitig zahlt dieselbe Kasse ganz selbstverständlich eine Infektionsserologie vor einer künstlichen Befruchtung, obwohl die mit meiner Frage, ob mein Eisenspeicher ausreicht, überhaupt nichts zu tun hat. Die Trennlinie verläuft also nicht zwischen nützlichen und unnützen Werten. Sie verläuft zwischen Werten, die an eine formale medizinische Situation gebunden sind, und Werten, die es nicht sind, und die zweite Gruppe ist bei Kinderwunsch eindeutig die größere.

0 von 10 so viele meiner eigenen zehn Laborwerte vor der Schwangerschaft hat die Kasse übernommen

Was das für Deine eigene Planung bedeutet

Praktisch heißt das: Wenn Du Dich vor einer Schwangerschaft gezielt vorbereiten willst und dafür Blutwerte messen lassen möchtest, solltest Du eigentlich von Anfang an mit einer Selbstzahlerleistung rechnen, und zwar unabhängig davon, ob Du bei Deiner Ärztin, in einem Labor direkt oder über einen Online-Anbieter misst. Die einzige Ausnahme ist ein dokumentierter Verdacht, und der entsteht in einem Gespräch, in dem Symptome, Ernährung und Vorgeschichte tatsächlich zu einer begründeten Diagnostik führen. Wunschdenken allein erzeugt ihn nicht. Was das konkret kostet, wenn Du selbst zahlst, und wie sich Kern-Panel und volles Panel preislich unterscheiden, steht ausführlich im Artikel dazu.

Häufige Fragen

Zahlt die Krankenkasse Blutwerte bei Kinderwunsch, auch ohne Beschwerden?

In aller Regel nicht. Ein Blutbild auf Verdacht, einfach weil Du gerade versuchst, schwanger zu werden, ist keine eigene Kassenleistung. Die Kasse zahlt, wenn eine bestätigte Schwangerschaft vorliegt, wenn ein konkreter Mangelverdacht dokumentiert ist, oder wenn eine künstliche Befruchtung ansteht, aber nicht schon deshalb, weil Du Dich vorbereiten willst.

Übernimmt die Kasse Nährstoffwerte wie Vitamin D oder Ferritin vor der Schwangerschaft?

Nur, wenn Deine Ärztin oder Dein Arzt aus Anamnese und Untersuchung einen konkreten Mangelverdacht ableitet. Ohne diesen Verdacht gelten Werte wie Vitamin D, Ferritin, Zink, Selen oder B12 als individuelle Gesundheitsleistung, die Du selbst zahlst.

Welche Blutwerte sind Kassenleistung, sobald eine künstliche Befruchtung geplant ist?

Vor einer künstlichen Befruchtung schreibt die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses eine Infektionsserologie vor: Anti-HIV-1,2, HBsAg, Anti-HBc und Anti-HCV-Ab bei beiden Partnern, innerhalb von drei Monaten vor der ersten Keimzellgewinnung. Das ist eine Kassenleistung, hat aber mit Nährstoffwerten nichts zu tun.

Ab wann zahlt die Kasse die Blutwerte aus der Mutterschaftsvorsorge?

Erst ab der Feststellung der Schwangerschaft. Blutgruppe und Rhesusfaktor, Röteln-Antikörper, ein Lues-Test, Hepatitis B, die freiwillige HIV-Untersuchung und der Hämoglobinwert gehören zur Erstuntersuchung nach den Mutterschaftsrichtlinien, aber erst, wenn der Test schon positiv ist.

Wann Du zusätzlich professionelle Einschätzung suchen solltest

Ob bei Dir persönlich ein Verdacht besteht, der eine Blutuntersuchung zur Kassenleistung macht, kann Dir kein Blogartikel beantworten, das kann nur ein Gespräch mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt klären, am besten mit möglichst genauen Angaben zu Symptomen, Zyklus und Ernährung. Sprich auch dann mit ihr oder ihm, wenn Du Dich für eine Selbstzahlerleistung entscheidest, damit die Werte am Ende auch jemand einordnet, der sie im Kontext Deiner Situation lesen kann.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel stellt keine medizinische Diagnose oder Behandlung dar, ersetzt keine ärztliche Beratung und enthält keine Dosierungsempfehlung für Deine persönliche Situation. Sprich über Laborwerte, Präparate und Mengen mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.