Für selbst bezahlte Nährstoffwerte gibt es keine zuständige Stelle. In der kassenärztlichen Versorgung ist immer die Praxis zuständig, die einen Wert für die eigene Diagnostik braucht und ihn deshalb selbst veranlasst, und genau dieser Auftrag fehlt bei einem Befund, den Du auf eigene Rechnung bestellt hast.
Warum sich für einen fertigen Befund so schwer jemand findet
Die Regel dahinter klingt erst einmal trocken, erklärt aber fast alles: Für die Veranlassung von Laborleistungen ist die Praxis zuständig, die den Wert benötigt, und jede Ärztin und jeder Arzt ist für die eigene Diagnostik und Therapie verantwortlich. Wer einen Laborwert braucht, muss ihn selbst veranlassen. Wenn Du also mit einem PDF aus einem Selbstzahler-Labor in eine Praxis kommst, bittest Du jemanden, die Verantwortung für eine Diagnostik zu übernehmen, die diese Praxis weder angefordert noch ausgewählt hat, und bei der sie die Methode des Labors nicht kennt.
Dazu kommt die Kassenfrage. Liegt der Verdacht eines tatsächlichen Nährstoffmangels nahe, können Ärztinnen und Ärzte laut Verbraucherzentrale eine konkrete Diagnostik zu Lasten der Krankenkasse abrechnen. Ohne diesen Verdacht sind solche Tests individuelle Gesundheitsleistungen und in der Regel selbst zu zahlen. Welche Werte bei einer beschwerdefreien Frau auf welcher Seite dieser Linie landen, habe ich in welche Blutwerte die Krankenkasse bei Kinderwunsch zahlt aufgeschrieben. Ein Nein zur Kassenleistung ist also noch keine Aussage darüber, ob jemand Deinen Befund mit Dir durchgehen würde.
Wer für die Einordnung überhaupt infrage kommt
Es gibt fünf Adressen, und jede davon kann einen Teil und einen anderen Teil eben nicht.
Deine hausärztliche oder frauenärztliche Praxis. Das ist die naheliegendste Adresse, weil sie Dich kennt und weil dort ohnehin die Vorsorge läuft. Sie darf einen mitgebrachten Befund ansehen, sie ist dazu aber nicht verpflichtet, und die Zeit dafür ist in einem normalen Termin knapp. Wer mit zehn Zahlen kommt, bekommt eher einen schnellen Blick als ein Gespräch.
Endokrinologie oder Ernährungsmedizin. Fachlich die beste Adresse für Schilddrüse und Stoffwechsel, praktisch oft die mit der längsten Wartezeit. In meinem Buch spiele ich das an einer konstruierten Frau durch, die für acht Werte 180 Euro bezahlt und dann einen endokrinologischen Termin in einem halben Jahr angeboten bekommt, was für eine Frau mit Kinderwunsch in vier Monaten keine Hilfe mehr ist.
Eine qualifizierte Ernährungsberatung. Der unterschätzte Weg, weil er ohne Befund auskommt: Er setzt an Deinem Speiseplan an. Für eine individuelle Ernährungstherapie nach § 43 SGB V kann eine Ärztin die Notwendigkeit formlos mit einer Bescheinigung bestätigen, für die präventive Beratung nach § 20 SGB V gibt es das Formular 36. Die Verbraucherzentrale hält eine qualifizierte Ernährungsberatung für eine erste Abschätzung für ausreichend, und bei veganer Ernährung empfiehlt das Netzwerk Gesund ins Leben eine qualifizierte Beratung zu Ernährung und Supplementierung sogar ausdrücklich schon ab Kinderwunsch.
Die Apotheke. Kostet nichts und ist für Wechselwirkungen, Packungsbeilagen und die Frage, ob zwei Präparate zusammenpassen, erstaunlich hilfreich. Für die Deutung eines Befundes ist sie die falsche Adresse.
Das Labor selbst. Ein Selbstzahler-Labor liefert Dir die Zahl und den Referenzbereich, den dieses Labor mit seiner Methode ansetzt. Eine Einordnung in Deine Situation gehört nicht dazu, auch dann nicht, wenn auf dem Befund Pfeile oder Markierungen stehen.
Der Unterschied zwischen zehn Werten bestellen und einen Befund vorlegen
Diese beiden Bitten werden ständig verwechselt, und sie sind wirklich verschieden. Wenn Du um zehn Bestimmungen bittest, bittest Du um eine Leistung, für die es bei einer beschwerdefreien Frau meistens keine Leitlinie gibt, und das Nein darauf ist fachlich korrekt. Wenn Du dagegen einen fertigen Befund und eine einzelne konkrete Frage mitbringst, ist das ein viel kleinerer Auftrag, und das Gespräch wird deutlich häufiger geführt.
Praktisch hilft es, die Frage vorher auf einen Satz einzudampfen. Ehrlich gesagt hat mich das selbst am meisten überrascht: Aus zehn Werten wird schnell eine einzige Frage, die klein genug für einen normalen Termin ist, etwa was ein niedriges Vitamin D im Februar für die nächsten Monate bedeutet. Und der Befund gehört vollständig mit auf den Tisch, also Datum, Einheit und der Referenzbereich genau dieses Labors, weil Labore teils mit unterschiedlichen Methoden und Vergleichsgruppen arbeiten und derselbe Wert bei einem Labor knapp im Bereich liegen kann und beim nächsten knapp darunter.
Quellen zu diesem Artikel
- Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein: Für die Veranlassung von Laborleistungen ist die Praxis zuständig, die den Wert benötigt; jede Ärztin und jeder Arzt ist für die eigene Diagnostik und Therapie verantwortlich.
- Verbraucherzentrale: Bei naheliegendem Verdacht auf einen Nährstoffmangel können Ärztinnen und Ärzte eine konkrete Diagnostik zu Lasten der Krankenkasse abrechnen; ohne Verdacht sind solche Tests individuelle Gesundheitsleistungen. Eine qualifizierte Ernährungsberatung kann für eine erste Abschätzung ausreichen.
- Verband der Diätassistenten: Für die individuelle Ernährungstherapie nach § 43 SGB V bestätigt die Ärztin oder der Arzt die Notwendigkeit formlos mit einer Notwendigkeitsbescheinigung; die präventive Ernährungsberatung nach § 20 SGB V wird auf dem Formular 36 empfohlen.
- Netzwerk Gesund ins Leben: vegan lebende Frauen sollten bereits bei Kinderwunsch eine qualifizierte Beratung zu Ernährung und Supplementierung in Anspruch nehmen.
Die Reihenfolge, die mir damals gefehlt hat
»Nährstoffbereit vor der Schwangerschaft« stellt die Frage nach der Einordnung vor die Blutabnahme und zeigt an vier komplett durchgespielten Fällen, wie unterschiedlich sie ausgehen kann. Dazu 11 Arbeitsblätter, darunter eins, mit dem Du jeden Wert samt Datum, Labor und Referenzbereich so dokumentierst, dass eine Fachperson später etwas damit anfangen kann.
Nährstoffbereit ansehenWas ich an dieser Stelle selbst falsch gemacht habe
Ich bin beide Male direkt in ein Selbstzahler-Labor gegangen, morgens, nüchtern, mit Blutabnahme vor Ort, beim ersten Mal zehn Werte für knapp 150 Euro. Der Befund kam beide Male nach ungefähr einer Woche als PDF. Und damit saß ich dann da. Wer diese Zahlen mit mir durchgeht, hatte ich vorher nie geklärt, weil ich die Frage ehrlich gesagt gar nicht auf dem Schirm hatte: Ich dachte, der schwierige Teil sei das Messen.
Das Ergebnis war, dass ich mir die Deutung selbst gebastelt habe. Mein Ferritin lag bei 22 ng/ml und damit im Referenzbereich, ein nachgewiesener Mangel war das nicht. Ich hatte aber einen Ferritin-Zielwert von 150 aus Büchern zur Nährstofftherapie im Kopf und habe acht Monate lang jeden zweiten Tag 100 mg Eisen genommen, ein rezeptfreies, aber apothekenpflichtiges Arzneimittel, ohne dass jemand fachlich gegengelesen hat. Beim Jod ist derselbe Gedanke noch klarer danebengegangen: Ich habe dosiert, ohne je einen TSH-Wert gehabt zu haben. Ein Zielbereich setzt eine Messung voraus, und genau die habe ich ausgelassen. Der Fehler fällt damit auf mich zurück und nicht auf den Gedanken hinter Zielbereichen.
Die Frage, die vor die Blutabnahme gehört
Wenn ich das noch einmal mache, und mein Plan ist, es vor einer zweiten Schwangerschaft wieder zu tun, kommt die Einordnung zuerst. Also im normalen Termin fragen, ob ein mitgebrachter Selbstzahler-Befund später überhaupt besprochen werden kann, und falls ja, wie viele Werte realistisch sind. Fällt die Antwort klar aus, kannst Du gezielt messen. Fällt sie unklar aus, hast Du Dir das Geld für ein volles Panel gespart, bevor es weg ist, und die einzelnen Preisspannen stehen in was ein Nährstoff-Check kostet.
Und wenn sich am Ende wirklich niemand findet, ist das der wahrscheinlichste Ausgang. Ein Versagen ist es nicht. Dafür gibt es einen ganzen Teil der Vorbereitung, der ohne einen einzigen Laborwert funktioniert, von der Folsäure über den Impfpass bis zu den Küchenregeln. Ich habe ihn in Plan B, wenn niemand Deine Werte einordnet vollständig aufgeschrieben. Eine Ausnahme gibt es: Wenn eine Schwangerschaft in den nächsten Monaten ohnehin eintreten kann, misst Du weniger für heute als für den ersten Vorsorgetermin, weil dort jemand sitzt, der den Befund vor sich hat.
Häufige Fragen
Wer wertet selbst bezahlte Nährstoffwerte aus?
Es gibt dafür keine zuständige Stelle. In der kassenärztlichen Versorgung ist die Praxis zuständig, die einen Wert für die eigene Diagnostik braucht und ihn deshalb selbst veranlasst. Bei einem Befund, den Du selbst bestellt und bezahlt hast, fehlt genau dieser Auftrag, und deshalb klärst Du die Einordnung am besten vor der Blutabnahme.
Kann meine Frauenärztin einen Befund aus einem Selbstzahler-Labor einordnen?
Sie kann, sie muss aber nicht, weil sie den Befund weder veranlasst hat noch dafür verantwortlich ist. Deine Chancen steigen, wenn Du mit einer einzelnen konkreten Frage kommst und den Befund mit Datum, Einheit und dem Referenzbereich dieses Labors dabei hast.
Zahlt die Krankenkasse eine Ernährungsberatung?
Für eine individuelle Ernährungstherapie nach § 43 SGB V kann die Ärztin oder der Arzt die Notwendigkeit formlos mit einer Bescheinigung bestätigen, die Kasse entscheidet dann über einen Zuschuss. Präventive Ernährungsberatung läuft über § 20 SGB V und kann ärztlich auf dem Formular 36 empfohlen werden. Ein Laborbefund ist für beides keine Voraussetzung.
Was mache ich, wenn sich für die Einordnung niemand findet?
Dann greift Plan B, also der Teil der Vorbereitung, der ohne einen einzigen Laborwert funktioniert. Was an dieser Stelle schadet, ist die eigene Deutung der Zahlen, weil ein Zielwert aus einem Buch keine Diagnose ist und Referenzbereiche sich je nach Labor unterscheiden.
Wann Du zusätzlich professionelle Unterstützung suchen solltest
Sobald Beschwerden bestehen, eine Schilddrüsenerkrankung, PCOS oder eine Operation an Magen oder Darm dazukommt, Du dauerhaft Medikamente einnimmst oder Dich vegan ernährst, gehört das Thema von Anfang an ärztlich begleitet, weil sich daraus ein medizinischer Anlass ergibt und die Frage nach der Einordnung damit eine ganz andere ist. Und wenn Du bei einem Thema, das Dir wichtig ist, dauerhaft nicht gehört wirst, ist eine zweite Meinung oder ein Wechsel der Praxis eine ganz normale Möglichkeit.