Offiziell empfohlen ist für Frauen mit Kinderwunsch genau ein Präparat, nämlich Folsäure, und dazu kommt Jod im Rahmen einer Empfehlung, die eigentlich für Schwangere und Stillende formuliert ist. Alles Weitere hängt an Deiner Ernährung, an Vorerkrankungen und an Werten, die jemand für Dich einordnen muss. Bei mir standen am Ende acht Präparate im Schrank, und von 59,49 € im Monat konnte ich 4,03 € wirklich begründen.

Was offiziell empfohlen ist, und für wen genau

Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt Frauen, die schwanger werden wollen, 400 µg Folsäure pro Tag als Supplement, idealerweise ab dem Zeitpunkt der Familienplanung und spätestens vier Wochen vor der Empfängnis, dann weiter bis zum Ende des ersten Trimesters. Wer später anfängt, für den sind 800 µg pro Tag bis zum Ende der 12. Woche vorgesehen, weil der schützende Spiegel damit in etwa vier Wochen erreicht ist, während es bei 400 µg sechs bis acht Wochen dauert. Der Grund für diesen Vorlauf ist, dass sich das Neuralrohr normalerweise bereits vier Wochen nach der Empfängnis schließt, also oft zu einem Zeitpunkt, an dem eine Frau noch gar nichts von der Schwangerschaft weiß. In zwei Fällen gilt eine andere, ärztlich festgelegte Menge. Der eine ist ein Neuralrohrdefekt in einer früheren Schwangerschaft, für den das Netzwerk ausdrücklich eine ausreichende, gegebenenfalls höhere Folsäuredosierung in ärztlicher Absprache nennt. Der andere ist die Einnahme von Antiepileptika, und das gehört vorher mit der behandelnden Ärztin besprochen.

Bei Jod ist die Lage einen Schritt komplizierter, und ich glaube, das wird selten sauber auseinandergehalten. Die konkrete Supplementierungsempfehlung von täglich 100 bis 150 µg richtet sich an Schwangere und Stillende, das Netzwerk schreibt aber ausdrücklich dazu, dass eine gute Jodversorgung schon vor der Befruchtung wichtig ist. Bei Schilddrüsenerkrankungen gehört vor jeder Form der Jodsupplementierung ein Gespräch mit der behandelnden Ärztin dazu. Dass die Versorgung hierzulande knapp ist, zeigen die Daten des Robert Koch-Instituts: 32 Prozent der Erwachsenen liegen unterhalb des geschätzten mittleren Jodbedarfs, und Deutschland gilt nach WHO-Kriterien als mildes Jodmangelgebiet.

Warum Eisen, Vitamin D und Omega 3 auf einer anderen Liste stehen

Genau hier verläuft die Linie, die in der Werbung für Kinderwunsch-Präparate verschwindet. Für Eisen schreibt das Netzwerk Gesund ins Leben, dass Schwangere Eisen-Tabletten nicht grundsätzlich einnehmen sollten, sondern nur nach einem laborchemisch diagnostizierten Mangel. Für Vitamin D gilt eine Ergänzung von 20 µg, also 800 Internationalen Einheiten, nach ärztlicher Rücksprache und für Frauen, die wenig Sonnenlicht abbekommen oder einen dunkleren Hauttyp haben. Und für DHA sind 200 mg täglich genannt, wenn regelmäßig fettreicher Seefisch fehlt.

Das sind alles Posten mit Anlass. Der Anlass ist entweder ein gemessener Wert oder eine benannte Lebenssituation, und ohne ihn steht in den offiziellen Empfehlungen schlicht nichts, was für Dich persönlich gelten würde. Ein Präparat, das zwölf Nährstoffe in einer Kapsel zusammenfasst, verwischt diesen Unterschied, weil es die Anlassfrage für alle zwölf gleichzeitig mit Ja beantwortet, ohne sie je gestellt zu haben. Genau deshalb lässt sich Deine Frage nicht mit einer Produktliste beantworten, und ehrlich gesagt war das für mich die unbequemste Erkenntnis aus meiner eigenen Recherche.

Quellen zu diesem Artikel
  • Netzwerk Gesund ins Leben: Handlungsempfehlungen zu Folsäure, Jod, Eisen, Vitamin D und DHA vor und in der Schwangerschaft, einschließlich der ärztlich abzusprechenden Dosierung nach einem Neuralrohrdefekt in einer früheren Schwangerschaft.gesund-ins-leben.de, Bundeszentrum für Ernährung
  • Netzwerk Gesund ins Leben: 400 µg Folsäure ab Kinderwunsch, 800 µg bei spätem Beginn, Zeitraum bis zum schützenden Spiegel, Verschluss des Neuralrohrs vier Wochen nach der Empfängnis.Nachgefragt bei Gesund ins Leben, Fachkreise
  • Netzwerk Gesund ins Leben: Jodsupplementierung für Schwangere und Stillende, gute Versorgung bereits vor der Befruchtung, Rücksprache bei Schilddrüsenerkrankungen.Nachgefragt bei Gesund ins Leben, Fachkreise
  • Robert Koch-Institut: 32 Prozent der Erwachsenen unterhalb des geschätzten mittleren Jodbedarfs, Deutschland nach WHO-Kriterien mildes Jodmangelgebiet.Jodmonitoring des Robert Koch-Instituts, KiGGS und DEGS

Was bei mir daraus geworden ist: acht Präparate, 59,49 € im Monat

Ich habe in den acht Monaten vor meiner ersten Schwangerschaft acht Präparate genommen, das waren 59,49 € im Monat und über den ganzen Zeitraum rund 476 €. Als ich das später zusammengerechnet habe, ist mir erst aufgefallen, wie schief die Verteilung war. Folat lag mit 1,82 € im Monat genau auf der offiziellen Empfehlung, das ist der eine Posten, den ich ohne Einschränkung verantworten kann. Zink kam mit 2,21 € dazu, und dafür hatte ich immerhin einen Anlass, weil mein Ausgangswert unter dem Referenzbereich lag. Zusammen sind das 4,03 €.

Die restlichen gut 55 € liefen auf Überzeugung. Allein das Omega-3-Präparat kostete 36,90 € im Monat und machte damit rund 62 Prozent meiner gesamten Präparatekosten aus, für einen Posten, bei dem ich bis heute keinen klaren Vorteil für meine Situation benennen kann. Die komplette Aufstellung mit jedem einzelnen Posten habe ich in meiner monatlichen Kostenaufstellung offengelegt.

4,03 € So viel von meinen 59,49 € Präparatekosten im Monat lag in den acht Monaten vor meiner ersten Schwangerschaft auf Posten, die ich mit einer offiziellen Empfehlung oder einem eigenen Messwert begründen konnte.

Die Frage, die vor jedem einzelnen Präparat steht

»Nährstoffbereit vor der Schwangerschaft« geht zwölf Nährstoffe einzeln durch, jeweils mit Referenzwert, Obergrenze und der Frage, ob sich eine Messung dafür überhaupt lohnt, und spielt vier Fälle komplett durch, damit Du siehst, wie unterschiedlich die Antwort ausfallen kann. Meine eigene Achterliste steht darin als Warnung, mit allen Kosten und allen Stellen, an denen ich gegen mein eigenes Buch gehandelt habe.

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Woran ich heute erkenne, ob ein Posten auf die Liste gehört

Rückblickend zerfallen meine acht Präparate in drei Sorten. Die erste ist die offizielle Empfehlung, und da gibt es genau einen Eintrag. Die zweite ist der Anlass durch einen eigenen Messwert, so wie beim Zink, wobei ich sagen muss: Anlass ja, aber meine Menge war trotzdem deutlich zu hoch angesetzt. Die dritte Sorte ist die unangenehme, nämlich der Zielwert, den ich irgendwo gelesen hatte.

Beim Eisen habe ich mich an einem Ferritin-Zielwert von 150 orientiert, einer Zahl, die keine offizielle Stelle so veröffentlicht hat. Mein Ferritin lag bei 22 ng/ml und damit im Referenzbereich, ein nachgewiesener Mangel war das also nicht. Trotzdem habe ich acht Monate lang ein rezeptfreies, aber apothekenpflichtiges Arzneimittel genommen, gegen eine Diagnose, die ich nie hatte. Dass es rezeptfrei über den Apothekentresen ging, hat mir damals sogar das Gefühl gegeben, richtig zu liegen.

Und dann gab es noch die Lücke in die andere Richtung. Ich ernähre mich vegan, und B12 ist der eine Nährstoff, bei dem ich für mich selbst überhaupt keine Diskussion sehe. Auf meiner Achterliste stand er trotzdem nicht, weil mein Ausgangswert hoch war und ich das als Entwarnung gelesen habe. Sieben Posten zu hoch, einer bei null: Das ist die Bilanz, die mich dazu gebracht hat, das Thema überhaupt aufzuschreiben.

Was ich vor dem zweiten Kind anders machen werde

Mein Plan für die Wiederholung dreht die Reihenfolge um. Zuerst kläre ich, wer meine Werte am Ende tatsächlich einordnet, und erst danach lasse ich messen, weil eine Zahl ohne Einordnung mich in der ersten Runde vor allem Geld gekostet hat. Welche Werte dabei überhaupt in Frage kommen und was das kostet, habe ich in der Übersicht zum Nährstoff-Check aufgeschrieben, und welcher Teil davon Kassenleistung sein kann, steht in dem Artikel zur Krankenkasse.

Beim Folat bleibe ich einfach bei der Empfehlung, das ist der Posten ohne Diskussion, und den Zeitpunkt dafür habe ich beim ersten Mal ziemlich früh gewählt, wie ich in dem Artikel zum Vorlauf beschrieben habe. Bei allem anderen möchte ich für jeden Posten eine Antwort auf die Anlassfrage haben, bevor er im Schrank landet. Ob mir das am Ende irgendetwas bringt, weiß ich natürlich nicht, das kann mir auch niemand sagen. Es fühlt sich für mich nur ehrlicher an als ein Schrank voller Kapseln, deren Auswahl ich nicht erklären kann.

Häufige Fragen

Brauche ich vor der Schwangerschaft überhaupt Nahrungsergänzungsmittel?

Für Folsäure gibt es eine klare Empfehlung ab Kinderwunsch, und für Jod gibt es eine Empfehlung, die sich auf Schwangerschaft und Stillzeit bezieht, mit dem Hinweis, dass die Versorgung schon vorher zählt. Alles Weitere hängt an Deiner persönlichen Situation, also an Deiner Ernährung, an Vorerkrankungen und an Werten, die jemand für Dich einordnen muss.

Wie viel Folsäure wird vor der Schwangerschaft empfohlen?

Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt Frauen mit Kinderwunsch 400 µg Folsäure pro Tag als Supplement, spätestens vier Wochen vor der Empfängnis und bis zum Ende des ersten Trimesters. Wer später anfängt, für den sind 800 µg pro Tag bis zum Ende der 12. Woche vorgesehen. Bei Einnahme von Antiepileptika und nach einem Neuralrohrdefekt in einer früheren Schwangerschaft gilt eine andere, ärztlich festgelegte Menge.

Muss ich vor der Schwangerschaft Eisen nehmen?

Nein. Das Netzwerk Gesund ins Leben schreibt ausdrücklich, dass Schwangere Eisen-Tabletten nicht grundsätzlich einnehmen sollten und eine Einnahme einen laborchemisch diagnostizierten Mangel voraussetzt. Eisen ist damit ein Posten, der einen Anlass braucht.

Was kostet der belegte Teil wirklich?

Bei mir waren es 4,03 € im Monat, aufgeteilt auf 1,82 € Folat und 2,21 € Zink. Insgesamt habe ich in den acht Monaten vor meiner ersten Schwangerschaft 59,49 € im Monat für acht Präparate ausgegeben.

Ist ein Kombipräparat für den Kinderwunsch die einfachere Lösung?

Es ist die bequemere Lösung, und es war auch meine, bevor ich das erste Mal Blutwerte habe bestimmen lassen. Der Haken ist, dass ein Kombipräparat für Dich entscheidet, welche Nährstoffe Du in welcher Menge bekommst, und diese Entscheidung hängt eigentlich an Deiner Situation.

Wann Du zusätzlich professionelle Unterstützung suchen solltest

Sobald es um eine Menge für Dich persönlich geht, um einen Laborwert, den Du gerade in der Hand hältst, oder um eine Vorerkrankung wie eine Schilddrüsenstörung, ist das der Punkt, an dem ein Blogartikel aufhört zu helfen. Sprich in diesen Fällen mit Deiner Frauenärztin oder Deinem Frauenarzt, und wenn es um die Schilddrüse geht, am besten vor der ersten Jodtablette.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel stellt keine medizinische Diagnose oder Behandlung dar, ersetzt keine ärztliche Beratung und enthält keine Dosierungsempfehlung für Deine persönliche Situation. Sprich über Laborwerte, Präparate und Mengen mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.