Rund sieben bis acht Monate vor meiner ersten Schwangerschaft habe ich zehn Laborwerte für knapp 150 € bestimmen lassen, und laut Labor lagen davon zwei unter dem Referenzbereich, drei im unteren Abschnitt, einer darüber und vier waren unauffällig. Wirklich etwas gefolgt ist ehrlich gesagt nur aus wenigen davon, und der Wert, der mir am Ende am meisten gefehlt hat, der TSH, stand gar nicht auf dem Befund.

Wann und wo ich meine Werte habe messen lassen

Beim ersten Laborbesuch wusste ich schon, dass ich in den nächsten zwei Jahren schwanger werden wollte, einen konkreten Plan gab es da aber noch nicht, der kam erst etwa sechs Monate später. Gemessen habe ich in einem Selbstzahler-Labor in Berlin, morgens und nüchtern, und den Befund hatte ich nach ungefähr einer Woche als PDF. Bezahlt habe ich knapp 150 €, die Kasse hat davon nichts übernommen, und das ist bei Werten ohne konkreten Anlass eigentlich auch der Normalfall.

Davor hatte ich ein paar Jahre lang Kombiprodukte aus der Drogerie genommen, ein Multivitamin, etwas für Haut, Haare und Nägel und einen B-Komplex, unregelmäßig und oft gewechselt. Das ist für den Befund wichtig, weil mindestens einer der zehn Werte eigentlich diese Produkte mitgemessen hat, dazu gleich mehr.

Meine komplette Befundtabelle

Hier sind alle zehn Werte aus der ersten Messung, mit der Einordnung, die das Labor selbst danebengeschrieben hat. Die Referenzbereiche lasse ich bewusst weg, weil jedes Labor seine eigenen verwendet und Du mit meinen Grenzen bei Deinem eigenen Befund wenig anfangen könntest.

Meine erste Messung, rund sieben bis acht Monate vor meiner ersten Schwangerschaft, mit der Einordnung meines Labors
WertErgebnisEinordnung des Labors
Folsäure20 ng/mlunauffällig
Ferritin22 ng/mlniedrig normal
Vitamin D (25-OH)31,9 ng/mlunauffällig
Vitamin B12993 pg/mlüber dem Referenzbereich
Jod im Urin135 µg/dieniedrig normal
Magnesium im Vollblut1,29 mmol/lniedrig normal
Selen81 µg/lunauffällig
Omega-3-Index5,4 %unter dem Referenzbereich
Zink58,5 µg/dlunter dem Referenzbereich
Kalzium2,44 mmol/lunauffällig
6 von 10 Werten lagen bei meiner ersten Messung laut Labor unter dem Referenzbereich, in dessen unterem Abschnitt oder darüber

Auf den ersten Blick sieht das nach ziemlich viel Handlungsbedarf aus, und genau so habe ich den Befund damals auch gelesen. Ein Referenzbereich beschreibt allerdings erst mal nur, wo die meisten Menschen einer Vergleichsgruppe liegen. Ob ein Wert am unteren Rand für eine Schwangerschaft zu wenig ist, steht da gar nicht drin, und genau diese Lücke habe ich damals mit meiner eigenen Interpretation gefüllt.

Was die einzelnen Werte mir wirklich gesagt haben

Am klarsten war eigentlich Zink. 58,5 µg/dl lagen unter dem Referenzbereich, und das war der einzige Wert, bei dem ich einen echten Anlass für ein Präparat hatte. Wie viel ich dann genommen habe, ist eine andere Geschichte, die steht in meiner Bilanz nach 476 €.

Beim Ferritin wird es schon schwieriger. Die 22 ng/ml hat das Labor als niedrig normal eingeordnet, und die einzige offizielle Schwelle, die ich dazu gefunden habe, sind die 15 µg/l, unterhalb derer die WHO bei nicht schwangeren Frauen einen Hinweis auf Eisenmangel sieht. Ein Mangel war das also nicht. Ich habe mich trotzdem an einem Zielwert von 150 ausgerichtet und acht Monate lang ein Eisenpräparat genommen, und was ich an diesem Zielwert heute anders sehe, steht im Artikel zum Eisen.

Der Wert, der mich im Nachhinein am meisten beschäftigt, ist B12. Die 993 pg/ml lagen über dem Referenzbereich, und ich habe das als Entwarnung gelesen, obwohl ich vegan esse. Tatsächlich kam der Wert aus den Kombiprodukten, und nachdem ich die abgesetzt hatte, ist er bis zur zweiten Messung auf 756 pg/ml gefallen. B12 stand deshalb acht Monate lang auf keiner meiner Listen, und die ganze Geschichte dazu habe ich in einem eigenen Artikel aufgeschrieben.

Der Omega-3-Index lag mit 5,4 % unter dem Referenzbereich, und daraus habe ich die teuerste Zeile meiner Präparateliste gemacht, ein Algenöl für 36,90 € im Monat. Für den Wert selbst hat mein Labor 23,90 € verlangt, andere Labore nehmen dafür bis zu 62 €.

Zwei Zeilen hätte ich mir rückblickend sparen können. Der Kalziumwert im Blut wird vom Körper eng geregelt und sagt über die Zufuhr fast nichts aus, meine 2,44 mmol/l hätten also genauso unauffällig ausgesehen, wenn ich über Monate zu wenig Kalzium gegessen hätte. Und Jod im Urin bildet vor allem die letzten Stunden ab, über den Vorrat der Schilddrüse sagt eine einzelne Probe wenig. Bei Folsäure wiederum hängt die Frage, ob man sie nimmt, sowieso an keinem Wert: 400 µg täglich sind ab Kinderwunsch offiziell empfohlen, und eine andere, ärztlich festgelegte Menge gilt nur, wenn Du Antiepileptika nimmst oder in einer früheren Schwangerschaft einen Neuralrohrdefekt hattest.

Der Wert, der auf meinem Befund gefehlt hat

Was auf meinem Befund gar nicht stand, war der TSH, also der Wert, mit dem sich überhaupt erst einschätzen lässt, wie es der Schilddrüse geht. Das wäre bei mir besonders wichtig gewesen, weil ich danach acht Monate lang 250 µg Jod am Tag genommen habe, obwohl es vor der Schwangerschaft gar keine pauschale Jodempfehlung gibt, und dazu 200 µg Selen. Im Selbstzahler-Labor kostet der TSH 10 bis 20 €, er hätte meinen Befund also kaum teurer gemacht. Warum der TSH mein blinder Fleck beim Jod war, habe ich im TSH-Artikel ausführlicher aufgeschrieben.

Quellen zu diesem Artikel
  • WHO (2020): Ferritin unter 15 µg/l bei nicht schwangeren Frauen als Hinweis auf Eisenmangel, beruhend auf Experteneinschätzung.WHO-Leitlinie zu Ferritin
  • Netzwerk Gesund ins Leben: 400 µg Folsäure täglich ab Kinderwunsch, ärztlich festgelegte Menge bei Antiepileptika und nach einem Neuralrohrdefekt in einer früheren Schwangerschaft; Jodergänzung für Schwangere und Stillende, vor der Schwangerschaft keine pauschale Empfehlung.Handlungsempfehlungen und Meldungen zu Folsäure (2024) und Jod (2021)
  • Eigene Preisrecherche in veröffentlichten Selbstzahler- und IGeL-Preislisten deutscher Labore für »Nährstoffbereit vor der Schwangerschaft«: Omega-3-Index 24 bis 62 €, TSH 10 bis 20 €.Stand August 2026

Welche Zeilen auf Deinen Befund gehören

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Die zweite Messung: vier Werte in einem anderen Labor

Acht Monate nach der ersten Messung, zwei Tage nach dem positiven Test, habe ich vier Werte noch einmal bestimmen lassen, diesmal in einem anderen Selbstzahler-Labor in Berlin, wieder morgens und nüchtern, und auch diesen Befund hatte ich nach ungefähr einer Woche.

Die vier Werte, die ich acht Monate nach der ersten Messung in einem anderen Labor noch einmal habe bestimmen lassen
Werterste Messungzweite Messung
Ferritin22 ng/ml60 ng/ml
Selen81 µg/l113 µg/l
Vitamin B12993 pg/ml756 pg/ml
Vitamin D (25-OH)31,9 ng/ml28,2 ng/ml

Ferritin ist fast auf das Dreifache gestiegen, was nach einem Erfolg aussieht, eigentlich aber nur zeigt, dass sich ein Speicher füllt, wenn man ihn füllt. Ob mein Zielwert richtig war, sagt diese Zahl nicht. Selen ist ebenfalls gestiegen, und B12 ist ohne Präparat gefallen, ungefähr dorthin, wo meine Versorgung ohne die Kombiprodukte eben lag. Die 756 pg/ml liegen im Referenzbereich, es geht mir bei B12 also um die Denkweise.

Beim Vitamin D kann ich den Unterschied gar nicht deuten. Dass die Jahreszeit einen Vitamin-D-Wert verschiebt, stimmt zwar grundsätzlich, bei mir stehen aber zwei verschiedene Labore hinter den beiden Zahlen, und damit lässt sich die Differenz einfach nicht sauber auseinandernehmen. In der Schwangerschaft habe ich danach noch mehrfach nachmessen lassen und die Mengen an den Werten ausgerichtet, die Zahlen daraus lasse ich hier aber weg.

Was ich beim nächsten Mal anders messen würde

Mein Plan für die Zeit vor dem zweiten Kind ist, die Reihenfolge umzudrehen. Zuerst kläre ich, wer meine Werte überhaupt einordnet, dann lasse ich messen, und der TSH kommt diesmal von Anfang an mit dazu. Warum diese Frage vor die Blutabnahme gehört, habe ich an anderer Stelle beschrieben.

Kalzium und Jod im Urin würde ich weglassen, und bei Selen und Zink, die sich innerhalb von Wochen bewegen, will ich nach etwa drei Monaten nachmessen lassen. Beim ersten Mal lagen zwischen den beiden Messungen acht Monate, und für genau diese beiden Werte war das zu lang, weil ich bei ihnen am höchsten dosiert hatte. Und aus dem Vitamin D habe ich mitgenommen, dass sich zwei Messungen aus verschiedenen Laboren schlecht vergleichen lassen.

Was mir aus den zehn Werten am meisten hängen geblieben ist: Ein langer Befund hat sich gründlich angefühlt, und trotzdem lagen meine beiden größten Lücken bei einem Wert, den ich falsch gelesen habe, und einem, den ich gar nicht hatte. Eine kürzere Liste, bei der ich vorher weiß, was ich mit jedem Ergebnis mache, ist mir heute lieber.

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Fünf Punkte haben vor einer Schwangerschaft eine Frist. Ich habe sie auf einer Seite zum Abhaken zusammengestellt und schicke sie Dir per Mail.

Häufige Fragen

Welche Laborwerte sollte man bei Kinderwunsch bestimmen lassen?

Eine offizielle Liste, die für alle Frauen gilt, gibt es nicht. Ich hatte beim ersten Mal zehn Werte, und rückblickend hätte ich zwei davon weglassen und dafür den TSH mitnehmen sollen. Welche Werte bei Dir sinnvoll sind, besprichst Du am besten vorher mit Deiner Frauenärztin oder Deinem Hausarzt, also mit der Person, die die Ergebnisse danach auch einordnet.

Was bedeutet „niedrig normal“ auf dem Laborbefund?

Niedrig normal heißt, dass der Wert innerhalb des Referenzbereichs des Labors liegt, aber in dessen unterem Abschnitt. Eine Diagnose ist das nicht, und ob daraus etwas folgt, sagt der Befund selbst gar nicht. Bei mir standen drei Werte so da, und ich habe sie damals als Handlungsbedarf gelesen, ohne dass das jemand mit mir besprochen hat.

Zahlt die Krankenkasse Nährstoffwerte bei Kinderwunsch?

Ohne konkreten Anlass wie Beschwerden oder einen auffälligen Vorbefund in der Regel nicht. Bei mir hat die Kasse von den knapp 150 € für zehn Werte nichts übernommen.

Kann ich Laborwerte aus zwei verschiedenen Laboren vergleichen?

Nur mit Vorsicht, weil Labore mit unterschiedlichen Methoden und Referenzbereichen arbeiten. Meine beiden Vitamin-D-Werte von 31,9 und 28,2 ng/ml stammen aus zwei verschiedenen Laboren, und den Unterschied kann ich deshalb gar nicht deuten. Bei einem großen Sprung wie meinem Ferritin von 22 auf 60 ng/ml ist zumindest die Richtung trotzdem klar.

Wann Du zusätzlich professionelle Unterstützung suchen solltest

Wenn auf Deinem Befund Werte unter oder über dem Referenzbereich stehen, gehört das in ein Gespräch mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt, bevor Du zu einem Präparat greifst. Das gilt ganz besonders für Eisen, das es auch als Arzneimittel gibt, und für Jod, solange Du Deine Schilddrüsenwerte nicht kennst.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel stellt keine medizinische Diagnose oder Behandlung dar, ersetzt keine ärztliche Beratung und enthält keine Dosierungsempfehlung für Deine persönliche Situation. Sprich über Laborwerte, Präparate und Mengen mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.