Rund 476 € habe ich in den acht Monaten vor meiner ersten Schwangerschaft für acht Präparate ausgegeben, und nur rund 32 € davon lagen auf Posten, die ich mit einer offiziellen Empfehlung oder einem echten Anlass begründen kann. Ob sich der Rest gelohnt hat, kann ich ehrlich gesagt nicht sagen, sicher ist nur, dass ich trotz acht Präparaten ausgerechnet B12 und meine Schilddrüsenwerte übersehen habe.
Wie sich die 476 € zusammensetzen
Die Rechnung ist eigentlich einfach: 59,49 € im Monat für acht Präparate, acht Monate lang, macht rund 476 €. Die Laborkosten sind da noch gar nicht drin, meine erste Messung mit zehn Werten hat knapp 150 € gekostet, und die Kasse hat davon nichts übernommen. Die Monatskosten habe ich in einem eigenen Artikel schon Posten für Posten aufgeschlüsselt. Hier geht es mir darum, wie sich die Summe über acht Monate verteilt, wenn ich jeden Posten danach sortiere, womit ich ihn begründen kann.
| Begründung | im Monat | in acht Monaten |
|---|---|---|
| Empfehlung oder Anlass (Folsäure, Zink) | 4,03 € | rund 32 € |
| Zielwert (Eisen) | 3,42 € | rund 27 € |
| Überzeugung (Omega-3, Cholin, Magnesium, Selen, Jod) | 52,04 € | rund 416 € |
| Gesamt | 59,49 € | rund 476 € |
Allein das Algenöl macht mit 36,90 € im Monat über die acht Monate rund 295 € aus, also mehr als die Hälfte der ganzen Summe. Die einzige offizielle Zahl dazu sind 200 mg DHA täglich für Schwangere und Stillende, die auf Fisch verzichten. Ich habe 1.400 mg genommen, ohne schwanger zu sein oder zu stillen, und mit 200 mg hätte mich dieser Posten rund 5 € im Monat gekostet.
Und selbst beim Zink stimmte eigentlich nur der Anlass. Mein Ausgangswert lag unter dem Referenzbereich des Labors, aber 15 mg am Tag sind das Anderthalbfache des DGE-Referenzwerts von 7 bis 10 mg und mehr als das Doppelte der 6,5 mg, die das BfR für die Tagesdosis eines Präparats vorschlägt. Ohne Einschränkung verantworten kann ich also nur die Folsäure, 400 µg am Tag, genau so, wie sie ab Kinderwunsch offiziell empfohlen ist.
Wie ich überhaupt bei acht Präparaten gelandet bin
Davor standen bei mir ein paar Jahre lang Kombiprodukte aus der Drogerie im Schrank, ein Multivitamin, etwas für Haut, Haare und Nägel, ein B-Komplex, unregelmäßig genommen und oft gewechselt, und ich habe ehrlich gesagt nie nachgelesen, was da eigentlich drin war.
Als ich dann zum ersten Mal meine Werte bestimmen lassen habe, wusste ich schon, dass ich in den nächsten zwei Jahren schwanger werden wollte, nur einen konkreten Plan gab es noch nicht. Der kam etwa sechs Monate später. Mit dem Befund und ein paar Ratgeberbüchern zu Mikronährstoffen im Kopf habe ich mir meine Liste zusammengestellt, und beim Eisen habe ich mich an einem Ferritin-Zielwert von 150 ausgerichtet, den ich aus diesen Büchern hatte. Mein Ferritin lag bei 22 ng/ml und damit im Referenzbereich, und trotzdem habe ich acht Monate lang jeden zweiten Tag 100 mg Eisen genommen, ein rezeptfreies, aber apothekenpflichtiges Arzneimittel, ohne dass je eine Ärztin draufgeschaut hat. Das fällt auf mich zurück, weil ein Zielbereich eine Kontrolle voraussetzt, die ich mir gespart habe.
Was ich trotz acht Präparaten übersehen habe
Was mich an der Bilanz im Nachhinein am meisten beschäftigt, ist gar keine Zahl in Euro. Ich esse vegan, und B12 ist genau der Nährstoff, den ich in meinem eigenen Buch für vegane Ernährung in allen Lebensphasen verlange. Auf meiner Liste stand er trotzdem nicht. Mein Ausgangswert lag bei 993 pg/ml, also über dem Referenzbereich, und ich habe das als Entwarnung gelesen. Tatsächlich kam der Wert aus den Kombiprodukten, und nachdem ich die abgesetzt hatte, ist er in acht Monaten auf 756 pg/ml gefallen, also ungefähr dorthin, wo meine Versorgung ohne Präparat eben lag. 756 liegt im Referenzbereich, es geht mir hier um die Denkweise, und die ganze B12-Geschichte habe ich in einem eigenen Artikel aufgeschrieben.
Beim Jod war es ähnlich. Ich habe 250 µg am Tag genommen, obwohl die offizielle Empfehlung von 100 bis 150 µg erst ab der Schwangerschaft gilt und das BfR für die Tagesdosis eines Präparats 100 µg vorschlägt. Einen TSH-Wert hatte ich in den ganzen acht Monaten kein einziges Mal, dabei kostet der im Selbstzahler-Labor gerade mal 10 bis 20 €. Warum mir genau dieser Wert gefehlt hat, steht ausführlicher im TSH-Artikel. Und beim Selen lag meine Kapsel mit 200 µg allein beim Fünffachen der 40 µg, die das BfR pro Tagesdosis vorschlägt. Eine Zwischenmessung nach etwa drei Monaten hätte mir bei Selen und Zink gezeigt, wo ich stehe, die gab es halt nie.
Was die zweite Messung zeigt und was sie offen lässt
Acht Monate nach der ersten Messung, zwei Tage nach dem positiven Test, habe ich vier Werte noch einmal bestimmen lassen, in einem anderen Labor. Ferritin war von 22 auf 60 ng/ml gestiegen, Selen von 81 auf 113 µg/l, B12 von 993 auf 756 pg/ml gefallen, und Vitamin D stand bei 28,2 ng/ml nach vorher 31,9. Den Unterschied beim Vitamin D kann ich gar nicht deuten, weil zwei verschiedene Labore dahinterstehen.
Beim Ferritin sieht der Anstieg auf den ersten Blick wie ein Erfolg aus, er zeigt aber eigentlich nur, dass sich ein Speicher füllt, wenn man ihn füllt. Dass der Zielwert von 150 richtig war, bestätigt er nicht. Die einzige offizielle Schwelle, die ich dazu gefunden habe, sind die 15 µg/l, unterhalb derer die WHO bei nicht schwangeren Frauen einen Hinweis auf Eisenmangel sieht, und wie weit das von meinen 150 entfernt ist, habe ich mir beim Eisen genauer angeschaut.
Nach dem positiven Test habe ich die acht Präparate zunächst unverändert weitergenommen, in der Schwangerschaft dann mehrfach nachmessen lassen und die Mengen an den Werten ausgerichtet. Und ob sich das alles ausgezahlt hat, kann ich nicht beantworten. Ich habe keine Vergleichsschwangerschaft ohne Präparate, und aus einem einzelnen Verlauf lässt sich über die Wirkung von Präparaten sowieso nichts ablesen. Deshalb hat meine Tabelle oben auch keine Spalte für den Nutzen.
Quellen zu diesem Artikel
- Netzwerk Gesund ins Leben: 400 µg Folsäure täglich ab Kinderwunsch, ärztlich festgelegte Menge bei Antiepileptika und nach einem Neuralrohrdefekt in einer früheren Schwangerschaft; 100 bis 150 µg Jod täglich für Schwangere und Stillende, vor der Schwangerschaft keine pauschale Empfehlung; 200 mg DHA täglich für Schwangere und Stillende, die auf Fisch verzichten.
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwert für Zink bei Frauen, 7 bis 10 mg täglich je nach Phytatzufuhr.
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Höchstmengenvorschläge pro Tagesdosis eines Nahrungsergänzungsmittels, Zink 6,5 mg, Jod 100 µg, Selen 40 µg.
- WHO (2020): Ferritin unter 15 µg/l bei nicht schwangeren Frauen als Hinweis auf Eisenmangel, beruhend auf Experteneinschätzung.
- Eigene Preisrecherche für »Nährstoffbereit vor der Schwangerschaft«: Selbstzahlerpreis für den TSH-Wert und Monatspreis für 200 mg DHA aus Algenöl.
Die Frage, die ich mir vor der Liste hätte stellen sollen
»Nährstoffbereit vor der Schwangerschaft« beginnt genau dort, wo meine Bilanz schiefgelaufen ist: erst klären, wer die Werte einordnet, dann messen. Die 12 Nährstoff-Steckbriefe nennen Referenzwert, Obergrenze und ob sich eine Messung überhaupt lohnt, und für den wahrscheinlichsten Fall, dass sich niemand zum Einordnen findet, gibt es einen vollständigen Plan B.
Nährstoffbereit ansehenWas ich vor dem zweiten Kind anders machen will
Mein Plan ist, die Reihenfolge diesmal umzudrehen. Zuerst kläre ich, wer meine Werte überhaupt einordnet, dann lasse ich messen, und erst danach kommt etwas auf die Liste. Warum diese Frage vor die Blutabnahme gehört, habe ich an anderer Stelle beschrieben. Folsäure nehme ich wieder ab dem Kinderwunsch, der TSH-Wert kommt diesmal von Anfang an mit dazu, und B12 steht auf der Liste, bevor ich über irgendetwas anderes nachdenke.
Bei den Werten, die sich schnell bewegen, will ich nach etwa drei Monaten nachmessen lassen, und beim Eisen werde ich vor einem erneuten Griff zu einem Arzneimittel eine ärztliche Gegenprüfung einholen. Welche Mengen dann bei mir herauskommen, weiß ich heute noch gar nicht, und ich will mich da bewusst vorher auf nichts festlegen.
Würde ich die 476 € noch einmal ausgeben?
Für dieselbe Liste eher nicht. Die rund 32 €, die auf Empfehlung oder Anlass lagen, würde ich jederzeit wieder ausgeben, beim Rest hätte eine einzige Frage vorher gereicht: Welcher meiner Werte gibt dafür eigentlich einen Anlass her?
Was mich an der Summe mehr beschäftigt als das Geld, ist etwas anderes. Acht Präparate sind eine lange Liste, und die beiden Lücken lagen trotzdem bei zwei vergleichsweise günstigen Dingen, einem B12-Präparat und einem TSH-Wert. Mehr zu nehmen hat mich also kein bisschen davor geschützt, etwas Wichtiges zu übersehen. Eine kurze Liste, bei der ich jeden Posten begründen kann, ist mir heute lieber als eine lange, bei der ich das nur bei zwei Posten kann.
Vor der Schwangerschaft nichts Wichtiges verpassen
Fünf Punkte haben vor einer Schwangerschaft eine Frist. Ich habe sie auf einer Seite zum Abhaken zusammengestellt und schicke sie Dir per Mail.
Häufige Fragen
Welche Nahrungsergänzung ist bei Kinderwunsch offiziell empfohlen?
Offiziell empfohlen ist Folsäure mit 400 µg täglich ab dem Kinderwunsch. Wer Antiepileptika nimmt oder in einer früheren Schwangerschaft einen Neuralrohrdefekt hatte, bekommt eine andere, ärztlich festgelegte Menge. Jod kommt mit 100 bis 150 µg täglich erst ab der Schwangerschaft dazu, und für alles andere gibt es keine pauschale Empfehlung für alle.
Sollte ich vor der Nahrungsergänzung meine Werte messen lassen?
Für mich war die Messung vorher richtig, nur habe ich den Schritt davor übersprungen, nämlich zu klären, wer die Werte einordnet. Ohne diese Einordnung habe ich aus zehn Werten eine Liste mit acht Präparaten gebaut, die an den entscheidenden Stellen trotzdem Lücken hatte. Sprich am besten zuerst mit Deiner Frauenärztin oder Deinem Hausarzt darüber, welche Werte bei Dir sinnvoll sind.
Heißt ein hoher B12-Wert, dass ich kein B12 brauche?
Bei mir hieß er das gerade nicht. Mein Wert von 993 pg/ml kam aus Kombiprodukten aus der Drogerie, und nach dem Absetzen ist er in acht Monaten auf 756 pg/ml gefallen. Wer Kombipräparate nimmt, misst mit dem Wert also das Präparat mit. Wie Du Deinen eigenen Wert einordnest, klärst Du am besten mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.
Wann Du zusätzlich professionelle Unterstützung suchen solltest
Spätestens wenn Du mehr als ein, zwei Präparate nehmen oder zu einem Arzneimittel wie einem Eisenpräparat greifen willst, gehört eine Ärztin oder ein Arzt mit an den Tisch, am besten bevor die erste Packung offen ist. Das gilt genauso, wenn Du Jod nehmen willst und Deine Schilddrüsenwerte nicht kennst, oder wenn Du vegan isst und Dein B12-Status unklar ist.