Wer sich vegan ernährt, muss nach der Deutschen Gesellschaft für Ernährung Vitamin B12 als Präparat nehmen, in der Schwangerschaft dauerhaft, und das Netzwerk Gesund ins Leben rät vegan lebenden Frauen, schon bei Kinderwunsch eine qualifizierte Beratung zu Ernährung und Supplementierung zu suchen. Eine Menge für das Präparat nennen beide Stellen nicht, die gehört zusammen mit der Kontrolle Deiner Versorgung in die ärztliche Praxis.

Was DGE und Netzwerk Gesund ins Leben zu B12 bei veganer Ernährung sagen

Vitamin B12 ist in relevanten Mengen nur in tierischen Lebensmitteln enthalten, so schreibt es das Netzwerk Gesund ins Leben, und deshalb gibt es bei diesem einen Nährstoff eigentlich keine Diskussion darüber, ob ein Präparat nötig ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Position zu veganer Ernährung 2024 neu bewertet und formuliert es ziemlich direkt: Personen, die sich vegan ernähren, müssen Vitamin B12 supplementieren, regelmäßig und zuverlässig. Schwangere, die sich vegan ernähren, sollen dauerhaft ein B12-Präparat einnehmen, und wer vegan lebt, sollte die eigene B12-Versorgung regelmäßig überprüfen lassen, Menschen aus vulnerablen Gruppen ganz besonders.

Für Schwangere und Stillende spricht die DGE wegen der weiterhin begrenzten Datenlage keine eindeutige Empfehlung für oder gegen eine vegane Ernährung aus. Das Netzwerk Gesund ins Leben wird in seinen Handlungsempfehlungen deutlicher: Frauen, die sich vegan ernähren, sollten schon vor einer Schwangerschaft erwägen, zu einer Ernährung mit tierischen Lebensmitteln zu wechseln, etwa einer ovo-lakto-vegetarischen. Wer vegan bleiben möchte, sollte bereits bei Kinderwunsch eine qualifizierte Beratung zu Ernährung und Supplementierung in Anspruch nehmen. In der Schwangerschaft nennt das Netzwerk dann neben B12 auch Jod, Folsäure und DHA als nötige Präparate, und die Versorgung mit den kritischen Nährstoffen soll ärztlich überprüft werden.

Ich ernähre mich selbst vegan, und ich schreibe das hier ehrlich gesagt weder, um irgendwem die eigene Ernährung auszureden, noch um sie schönzureden. Für die Frage in diesem Artikel ist das auch gar nicht entscheidend, weil die Antwort beim B12 in jedem Fall dieselbe ist: Solange Du vegan isst, gehört ein Präparat dazu, und wie viel davon für Dich passt, klärst Du mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.

Wie viel B12 braucht man, und warum fängt das Thema schon vor der Schwangerschaft an?

Die DGE nennt als Schätzwert für Frauen 4 µg Vitamin B12 am Tag, in der Schwangerschaft 4,5 µg und in der Stillzeit 5,5 µg. Das sind Werte für die gesamte Zufuhr aus allen Quellen. Eine Menge für die Tagesdosis eines Präparats nennt das Positionspapier zur veganen Ernährung für B12 nicht, und so landet diese Frage ziemlich zwangsläufig bei jemandem, der Deine Situation kennt.

Warum das Thema schon vor dem positiven Test anfängt, steht in den Fragen und Antworten der DGE eigentlich ganz nüchtern. Wer vorher ausreichend versorgt war, hat einen umfangreichen Körperspeicher, sodass Mangelerscheinungen meist erst nach Jahren auftreten. Bei gestillten Säuglingen, deren Mütter sich in Schwangerschaft und Stillzeit vegan ernähren und unzureichend mit B12 versorgt sind, können sie deutlich früher eintreten. Zu den Folgen eines Mangels zählt die DGE neurologische Störungen, Gedächtnisschwäche, Ermüdungserscheinungen, Aufmerksamkeitsdefizite und depressive Verstimmungen, außerdem kann eine Blutarmut entstehen. Das Netzwerk Gesund ins Leben beschreibt, dass eine B12-Unterversorgung nach mehrjähriger veganer Ernährung ohne Supplementierung neben Problemen bei der Mutter zu einer schweren und dauerhaften Schädigung des kindlichen Nervensystems führen kann.

Seit Mai 2026 gehört ein Vitamin-B12-Mangel außerdem zum erweiterten Neugeborenen-Screening, also zu der Untersuchung aus ein paar Tropfen Blut aus der Ferse. Der Gemeinsame Bundesausschuss schreibt dazu, dass ein solcher Mangel beim Kind durch einen B12-Mangel der Mutter erworben sein kann, und rät, gerade bei vegetarischer oder veganer Ernährung in der Schwangerschaft auf eine ausreichende Aufnahme zu achten. Für mich zeigt das ziemlich gut, wie ernst dieser eine Nährstoff inzwischen genommen wird.

Welcher Laborwert zeigt, ob Deine B12-Versorgung reicht?

Die DGE unterscheidet zwei Arten von Werten. Statusmarker sind das Gesamt-Vitamin-B12 und das Holo-Transcobalamin, kurz Holo-TC, im Serum oder Plasma. Funktionsmarker sind die Methylmalonsäure, kurz MMA, und das Homocystein. Zur Untersuchung der Versorgung empfiehlt die DGE, einen aussagekräftigen Funktionsmarker wie MMA gemeinsam mit einem Statusmarker wie dem Serum-B12 oder dem Holo-TC zu bestimmen.

Als Selbstzahlerleistung kostet B12 oder Holo-TC nach meiner Preisrecherche rund 17 bis 38 €, dazu kommen rund 5 € für die Blutabnahme, und was die übrigen Werte kosten, habe ich in der Übersicht zum Nährstoff-Check zusammengestellt. Wer den Befund am Ende einordnet, würde ich vor der Blutabnahme klären, darum geht es in dem Artikel dazu, wer Nährstoffwerte eigentlich auswertet.

Und dann ist da noch die Folsäure, die ab Kinderwunsch ohnehin empfohlen ist. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat ihre Obergrenze für Folsäure 2023 an genau diesem Zusammenspiel festgemacht: Als kritischen Effekt nennt sie das Risiko, dass neurologische Symptome bei einem B12-Mangel fortschreiten. Das ist für mich überhaupt kein Grund, an der Folsäure zu zweifeln. Welche Menge in welcher Situation gilt, habe ich in einem eigenen Artikel zur Folsäure aufgeschrieben. Es heißt nur, dass B12 bei veganer Ernährung gedanklich direkt neben die Folsäure gehört.

Quellen zu diesem Artikel
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Klug u. a. (2024): Neubewertung der DGE-Position zu veganer Ernährung. Personen, die sich vegan ernähren, müssen Vitamin B12 supplementieren, Empfehlung zu einem regelmäßig und zuverlässig verwendeten Präparat, die Versorgung sollte regelmäßig überprüft werden, vegan lebende Schwangere sollen dauerhaft ein B12-Präparat einnehmen, keine eindeutige Empfehlung für oder gegen vegane Ernährung bei Schwangeren und Stillenden wegen limitierter Datenlage, keine Präparatemenge für B12.Ernährungs Umschau 7/2024
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Schätzwerte für die Vitamin-B12-Zufuhr, 4 µg für Frauen, 4,5 µg in der Schwangerschaft, 5,5 µg in der Stillzeit.DGE, Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Vitamin B12 (Ableitung 2018)
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: umfangreicher Körperspeicher bei zuvor ausreichender Zufuhr, Mangelerscheinungen meist erst nach Jahren, bei gestillten Säuglingen vegan lebender, unzureichend versorgter Mütter deutlich früher, Folgen eines Mangels, Gesamt-B12 und Holo-TC als Statusmarker, MMA und Homocystein als Funktionsmarker, Empfehlung zur gemeinsamen Bestimmung eines Funktions- und eines Statusmarkers.DGE, Ausgewählte Fragen und Antworten zu Vitamin B12
  • Netzwerk Gesund ins Leben: B12 in relevanten Mengen nur in tierischen Lebensmitteln, Wechsel der Ernährungsweise vor einer Schwangerschaft erwägen oder bereits bei Kinderwunsch qualifizierte Beratung, Supplementierung von B12, Jod, Folsäure und DHA in der Schwangerschaft, ärztliche Überprüfung der Versorgung mit kritischen Nährstoffen.gesund-ins-leben.de, Handlungsempfehlungen, vegetarische und vegane Ernährung in der Schwangerschaft
  • Netzwerk Gesund ins Leben (2020): B12-Unterversorgung nach mehrjähriger veganer Ernährung ohne Supplementierung kann zu schwerer und dauerhafter Schädigung des kindlichen Nervensystems führen.gesund-ins-leben.de, Nachgefragt: vegane Ernährung in der Schwangerschaft
  • Gemeinsamer Bundesausschuss (2025): Erweiterung des Neugeborenen-Screenings um den Vitamin-B12-Mangel ab Mai 2026, Mangel beim Kind kann durch einen Mangel der Mutter erworben sein, Rat zu ausreichender Aufnahme bei vegetarischer oder veganer Ernährung in der Schwangerschaft.G-BA, Pressemitteilung vom 15. Mai 2025
  • Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (2023): tolerierbare Obergrenze für Folat, kritischer Effekt ist das Risiko fortschreitender neurologischer Symptome bei Vitamin-B12-Mangel.EFSA Journal, Scientific opinion on the tolerable upper intake level for folate
  • Eigene Preisrecherche in veröffentlichten Selbstzahler- und IGeL-Preislisten deutscher Labore für »Nährstoffbereit vor der Schwangerschaft«: Vitamin B12 oder Holo-TC rund 17 bis 38 €, Blutabnahme rund 5 €.Stand August 2026

Wenn die Empfehlung klar ist und die Menge offen bleibt

»Nährstoffbereit vor der Schwangerschaft« hat im Kapitel zu besonderen Situationen einen ausführlichen Abschnitt zu vegetarischer und veganer Ernährung, dazu die Reihenfolge, die Geld spart: erst klären, wer Deine Werte einordnet, dann messen. Meine eigene Bilanz mit allen acht Präparaten, den Kosten und der B12-Lücke steht offen darin. Es gelten 14 Tage Widerrufsrecht.

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Meine 993 pg/ml: wie ein hoher Wert bei mir zur Lücke wurde

Bevor ich zum ersten Mal meine Nährstoffwerte habe bestimmen lassen, hatte ich ein paar Jahre lang Kombiprodukte aus der Drogerie genommen, ein Multivitamin, etwas für Haut, Haare und Nägel und einen B-Komplex. Nachgelesen, was da eigentlich drin war, habe ich nie, genommen habe ich sie unregelmäßig, und gewechselt habe ich oft, häufig bevor eine Packung überhaupt leer war. Eine Überlegung stand da ehrlich gesagt nicht dahinter.

Bei der ersten Messung lag mein B12 dann bei 993 pg/ml und damit über dem Referenzbereich. Ich habe das als Entwarnung gelesen, und so kam B12 auf meine eigene Liste mit acht Präparaten gar nicht erst drauf. Heute weiß ich, dass dieser hohe Wert aus den Kombiprodukten kam und wenig über meine eigentliche Versorgung gesagt hat. Unter meinen zehn Werten war außerdem kein Funktionsmarker wie MMA, die Zahl stand also ganz allein da.

Acht Monate später, zwei Tage nach meinem positiven Test, lag der Wert ohne ein B12-Präparat bei 756 pg/ml und damit im Referenzbereich. Die zweite Messung lief in einem anderen Labor, deshalb stelle ich die beiden Zahlen nur mit Vorsicht nebeneinander. Ob mir in diesen acht Monaten etwas gefehlt hat, kann ich aus zwei Zahlen sowieso nicht ablesen, und darum geht es mir hier auch gar nicht. Es geht um die Denkweise: Ich habe eine hohe Zahl als Grund genommen, genau bei dem Nährstoff nichts zu tun, bei dem die Empfehlung für eine vegan lebende Frau eindeutig ist.

0 B12-Präparate auf meiner Liste in den acht Monaten vor meiner ersten Schwangerschaft, obwohl ich mich vegan ernähre.

Bei sieben meiner acht Präparate lag ich über dem, was offiziell genannt wird, bei der Folsäure genau auf der Empfehlung, und beim B12, wo die Empfehlung für mich genauso klar gewesen wäre, lag ich bei null. Das ist meine einzige Abweichung nach unten, und sie ist mir im Nachhinein unangenehmer als alle anderen, weil ich mich an jeder anderen Stelle eher zu viel gekümmert habe. Welche Posten dafür auf der Liste standen und was sie gekostet haben, steht in meiner Kostenaufstellung.

Was ich vor einem zweiten Kind beim B12 anders machen werde

Mein Plan ist, B12 diesmal als den Posten zu behandeln, über den ich gar nicht mehr diskutiere, weil er für mich als Veganerin einfach dazugehört, und die Reihenfolge insgesamt umzudrehen: Zuerst kläre ich, wer meine Werte am Ende einordnet, und erst dann lasse ich messen. Warum ich überhaupt so viel im Schrank hatte und wie ich heute für jeden Posten nach dem Anlass frage, habe ich in dem Artikel zur Frage, ob man vor der Schwangerschaft überhaupt Präparate braucht, aufgeschrieben.

Ob mir das beim nächsten Mal irgendetwas bringt, weiß ich natürlich nicht, das kann mir auch niemand versprechen. Was ich aber mitnehme, ist ein bisschen mehr Misstrauen gegenüber einer Zahl, die gut aussieht. Wenn Du selbst vegan lebst und einen B12-Wert in der Hand hast, der hoch wirkt, lohnt sich die Frage, woher er eigentlich kommt, bevor Du ihn als Entwarnung liest.

Häufige Fragen

Muss ich bei veganer Ernährung und Kinderwunsch Vitamin B12 nehmen?

Nach der Position der DGE von 2024 müssen Personen, die sich vegan ernähren, Vitamin B12 regelmäßig und zuverlässig supplementieren, und vegan lebende Schwangere sollen dauerhaft ein B12-Präparat einnehmen. Das Netzwerk Gesund ins Leben rät Veganerinnen, schon bei Kinderwunsch eine qualifizierte Beratung zu Ernährung und Supplementierung in Anspruch zu nehmen. Welche Menge für Dich passt, klärst Du mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.

Wie viel Vitamin B12 brauchen Frauen in der Schwangerschaft?

Die DGE nennt als Schätzwert für die gesamte Zufuhr 4 µg am Tag für Frauen, 4,5 µg in der Schwangerschaft und 5,5 µg in der Stillzeit. Eine Menge für die Tagesdosis eines Präparats nennt die DGE in ihrer Position zur veganen Ernährung nicht.

Welcher Blutwert zeigt, ob ich genug B12 habe?

Die DGE nennt das Gesamt-Vitamin-B12 und das Holo-Transcobalamin als Statusmarker, die Methylmalonsäure und das Homocystein als Funktionsmarker. Für die Untersuchung der Versorgung empfiehlt sie, einen Funktionsmarker wie die Methylmalonsäure gemeinsam mit einem Statusmarker zu bestimmen.

Kann ein hoher B12-Wert täuschen?

Bei mir war das so. Mein Wert lag bei der ersten Messung mit 993 pg/ml über dem Referenzbereich, er kam aus Kombiprodukten aus der Drogerie, und ich habe B12 deshalb nicht auf meine Liste genommen. Acht Monate später lag er ohne Präparat bei 756 pg/ml, gemessen in einem anderen Labor. Ein einzelner hoher Wert sagt deshalb wenig darüber, wie die Versorgung ohne die Produkte aussieht, die ihn verursacht haben.

Wann Du zusätzlich professionelle Unterstützung suchen solltest

Wenn Du Dich vegan ernährst und schwanger werden möchtest, gehört das Thema von Anfang an ärztlich begleitet, und eine qualifizierte Ernährungsberatung ist dafür ein guter zweiter Baustein. Das gilt erst recht, wenn Du Beschwerden hast, wie sie oben bei den Folgen eines Mangels beschrieben sind, wenn Du über längere Zeit gar kein B12-Präparat genommen hast oder wenn Du schon schwanger bist oder stillst und niemand Deine Versorgung kennt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel stellt keine medizinische Diagnose oder Behandlung dar, ersetzt keine ärztliche Beratung und enthält keine Dosierungsempfehlung für Deine persönliche Situation. Sprich über Laborwerte, Präparate und Mengen mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.