Beim zweiten Kind ändern sich vor allem zwei Dinge: Du bereitest Dich mit Deiner eigenen Vorgeschichte vor, also mit Werten, Beschwerden und Fehlern, die Du beim ersten Mal noch gar nicht kanntest, und die Zeit davor ist nicht mehr frei einteilbar, weil vor jeder gezielten Vorbereitung erst die Rückbildung liegt. Die Punkte mit einer echten Frist, also Folsäure und Impfschutz, bleiben dagegen genau dieselben wie beim ersten Kind.

Warum mit dieser Frage meistens etwas anderes gemeint ist

Wenn Du nach der Vorbereitung auf das zweite Kind suchst, landest Du fast überall beim großen Geschwisterkind: wie Du es auf das Baby vorbereitest, ab wann Du es ihm sagst, wie der Alltag zu zweit funktioniert und welches Bett wohin kommt. Das ist alles berechtigt, und es ist auch echte Arbeit. Es gibt aber eine zweite Ebene, über die kaum jemand schreibt, und das ist Dein eigener Körper in der Zeit, bevor Du überhaupt wieder schwanger bist.

Diese Ebene hat beim zweiten Kind einen Vorsprung und einen Haken zugleich, und beides hängt an derselben Sache: Du warst schon einmal schwanger.

Was beim zweiten Mal wirklich anders ist

Vor der ersten Schwangerschaft bereitest Du Dich gegen eine Statistik vor. Du liest, dass Dir irgendetwas passieren kann, ohne zu wissen, ob es Dich betrifft, und legst dann fest, wie viel Aufwand Dir eine bloße Möglichkeit wert ist. Vor der zweiten hast Du Deinen eigenen Verlauf: Du weißt, was Dein Körper in der ersten Schwangerschaft gemacht hat, wann es angefangen hat und was Dir damals angeboten wurde. Bei mir waren das die Symphysenschmerzen ab der 33. Schwangerschaftswoche, dazu eine Rückenorthese und dreimal Krankengymnastik, die ich wegen der Schmerzen beim Üben kaum durchgehalten habe.

Der Haken ist, dass genau diese Vorgeschichte selbst ein Risikofaktor ist. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2024 hat bei Frauen, die schon mindestens einmal geboren haben, ein deutlich erhöhtes Risiko für Beckenringschmerzen nach der Geburt gefunden, mit einer Odds Ratio von 1,9. Das ist keine schöne Zahl, aber eine nützliche, weil sie die Frage beantwortet, ob sich der Aufwand vorher überhaupt lohnt.

1,9 Odds Ratio für Beckenringschmerzen nach der Geburt bei Frauen, die schon mindestens einmal geboren haben.

Ehrlich dazugehört, woher der Trainingsansatz kommt, auf den ich mich stütze. Die Arbeiten dahinter haben bestehende Beschwerden nach der Geburt behandelt, also Frauen, die bereits Schmerzen hatten. Dass sich derselbe Ansatz auch vorbeugend einsetzen lässt, ist eine begründete Annahme und kein Studienergebnis. Für mich reicht das, weil ich die Zeit zwischen den Kindern ohnehin habe und sie sonst einfach verstreichen würde.

Dazu kommt der Alltag, und der ist beim zweiten Kind ein eigener Punkt. Hochschwanger mit Beschwerden ist unangenehm. Hochschwanger mit Beschwerden und einem kleinen Kind, um das Du Dich rund um die Uhr kümmerst, ist noch einmal etwas anderes, und seit ich das erste Kind habe, kann ich das deutlich konkreter einschätzen als vorher.

Was gleich bleibt: die Punkte mit einer echten Frist

Ein Teil der Liste ändert sich durch ein zweites Kind überhaupt nicht, und das sind ausgerechnet die Punkte, bei denen es auf den Zeitpunkt ankommt. Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt 400 µg Folsäure täglich ab dem Kinderwunsch, zumindest vier Wochen vor der Empfängnis, und weiter bis zum Ende des ersten Trimesters. Zwei Fälle gehören dazu, in denen eine andere, ärztlich festgelegte Menge gilt: bei der Einnahme von Antiepileptika und wenn es in einer früheren Schwangerschaft einen Neuralrohrdefekt gab. Ab wann und wie lange das gilt, steht ausführlich in Folsäure bei Kinderwunsch: ab wann und wie lange?

Genauso unverändert ist der Impfschutz gegen Röteln und Windpocken. Die Ständige Impfkommission empfiehlt bei unklarem Impfstatus zwei Rötelnimpfungen, bei seronegativen Frauen zwei Varizellenimpfungen und nach einer Lebendimpfung mindestens einen Monat Abstand zu einer Schwangerschaft. Das ist der eine Punkt, den Du in der Schwangerschaft selbst gar nicht mehr nachholen kannst, und zwischen erstem und zweitem Kind geht er leicht unter, weil sich das Thema nach der ersten Vorsorge erledigt anfühlt.

Beim Nährstoffthema fängst Du mit Deinen alten Zahlen an

Wenn Du vor der ersten Schwangerschaft schon einmal Werte hast bestimmen lassen, hast Du beim zweiten Mal etwas, das die meisten Frauen gar nicht haben: einen eigenen Befund zum Vergleichen. Ich habe vor meiner ersten Schwangerschaft zehn Werte für knapp 150 Euro selbst bezahlt, die Kasse hat davon nichts übernommen.

Zwei Dinge schränken den Nutzen dieses alten Befunds allerdings ein. Das eine ist das Alter der Zahlen: Ein Ferritinwert von vor zwei Jahren, mit einer Schwangerschaft und einer Geburt dazwischen, sagt Dir über heute wenig. Das andere ist der Vergleich zwischen Laboren. Meine erste und meine zweite Messung liefen in zwei verschiedenen Berliner Laboren, und schon deshalb lassen sich die beiden Zahlenreihen nicht so sauber nebeneinanderlegen, wie ich mir das damals gedacht hatte.

Dazu kommt, dass einige Referenzwerte in der Stillzeit höher liegen als davor. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für stillende Frauen 230 µg Jod täglich gegenüber 150 µg, 5,5 µg Vitamin B12 gegenüber 4 µg und 75 µg Selen gegenüber 60 µg. Wenn Du stillst und gleichzeitig über das nächste Kind nachdenkst, schaust Du also auf zwei Bedarfslagen zugleich. Welche Werte überhaupt etwas aussagen und wer sie hinterher einordnet, ist dabei die wichtigere Frage als die Auswahl selbst, und dazu gibt es einen eigenen Artikel: Wer wertet meine Nährstoffwerte bei Kinderwunsch eigentlich aus?

Quellen zu diesem Artikel
  • Robinson u. a. (2024): mehrgebärende Frauen mit signifikant erhöhtem Risiko für Beckenringschmerzen nach der Geburt, Odds Ratio 1,9.BMC Musculoskeletal Disorders
  • Stuge u. a. (2004) samt Zwei-Jahres-Nachbeobachtung: Grundlage des Trainingsansatzes. Behandelt wurden bestehende Beschwerden nach der Geburt, also keine Vorbeugung.Spine
  • Netzwerk Gesund ins Leben: 400 µg Folsäure täglich ab Kinderwunsch, zumindest vier Wochen vor der Empfängnis, bis zum Ende des ersten Trimesters; ärztlich festgelegte Menge bei Antiepileptika und nach einem Neuralrohrdefekt in einer früheren Schwangerschaft.Handlungsempfehlungen, Bundeszentrum für Ernährung
  • Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut: zweimalige Rötelnimpfung bei unklarem Impfstatus, zweimalige Varizellenimpfung bei seronegativen Frauen, mindestens ein Monat Abstand nach einer Lebendimpfung.RKI, Impfthemen A bis Z, Kinderwunsch
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Stillzeit, 230 µg Jod gegenüber 150 µg für Frauen, 5,5 µg Vitamin B12 gegenüber 4 µg, 75 µg Selen gegenüber 60 µg.DGE-Referenzwerte, Jod-Ableitung 2025

Zwei Listen für die Zeit zwischen erstem und zweitem Kind

»Beckenfit vor Baby Nr. 2« setzt da an, wo die Rückbildung aufhört: acht Wochen Plan, davor ein Selbstcheck in Ampel-Einteilung, dazu eigene Abschnitte zu Kaiserschnitt, Rektusdiastase und Stillen. »Nährstoffbereit vor der Schwangerschaft« deckt die andere Hälfte ab, mit zwölf Nährstoff-Steckbriefen und einem Laborpanel mit echten Preisen. Beide liegen auf der Startseite nebeneinander.

Beide Guides ansehen

Erst Rückbildung, dann Training: der Vorlauf, den es beim ersten Kind so nicht gab

Vor dem ersten Kind kannst Du Dir die Zeit davor frei einteilen. Vor dem zweiten liegt die Rückbildung darin, und die hat Vorrang. Bei mir sieht der Plan so aus: zuerst der Rückbildungskurs, dann ein Termin in einem Beckenboden-Zentrum, weil ich gut zehn Wochen nach der Geburt noch Beschwerden habe, und den Start mit dem gezielten Training bespreche ich danach mit einer Beckenboden-Physiotherapeutin. Das Programm selbst läuft dann acht Wochen, mit drei Einheiten pro Woche à 12–25 Minuten und einer täglichen Basis von rund fünf Minuten.

Ein festes Datum habe ich dafür nicht, und einen möglichst geringen Abstand zwischen den Kindern habe ich auch nicht mehr im Kopf, weil mir inzwischen wichtiger ist, dass sich mein Körper erst komplett regeneriert. Direkt nach der Geburt loszulegen halte ich ohnehin für keine gute Idee, weil ein großer Teil der Rückbildung von selbst passiert. Mehr dazu steht in Wie lange vor der nächsten Schwangerschaft mit Beckenboden-Training starten?

Was ich beim zweiten Mal anders mache

Drei Dinge stehen bei mir auf der Liste, und alle drei kommen aus Fehlern, die ich offen aufgeschrieben habe.

Das Becken kommt überhaupt erst darauf. Vor meiner ersten Schwangerschaft habe ich mich monatelang mit Laborwerten beschäftigt, und dass es so etwas wie Symphysenschmerzen gibt, habe ich in der 33. Schwangerschaftswoche gemerkt, als sie schon da waren. Diesmal ist das ein eigener Block, und er liegt vor der Schwangerschaft.

Beim Nährstoffthema schaue ich zuerst auf die Lücken. Ich habe acht Monate lang acht Präparate genommen, sieben davon über dem, was offiziell genannt wird, und ausgerechnet B12 lag bei mir bei null, bei dem einen Nährstoff, bei dem es für mich als Veganerin gar keine Diskussion gibt. Mehr zu nehmen hat mich also nicht davor geschützt, etwas Wichtiges zu übersehen. Was dahintersteckt, habe ich in B12 bei veganer Ernährung und Kinderwunsch aufgeschrieben.

Und die Reihenfolge ändert sich. Beim Jod habe ich täglich 250 µg genommen, ohne je einen TSH-Wert gehabt zu haben, also ohne den Wert, an dem sich überhaupt ablesen lässt, wie die Schilddrüse damit umgeht (TSH vor der Schwangerschaft: der Wert, den ich vergessen habe). Beim Eisen habe ich mich an einem Ferritin-Zielwert von 150 ausgerichtet, den keine offizielle Stelle so veröffentlicht hat, und dafür acht Monate lang ein rezeptfreies, aber apothekenpflichtiges Arzneimittel genommen, ohne ärztliche Gegenprüfung (Eisen vor der Schwangerschaft: Anlass oder Zielwert?). Bei diesem Zielwert wäre ich beim nächsten Mal vorsichtiger. Und bevor ich wieder Blut abnehmen lasse, kläre ich vorher, wer mir die Zahlen danach einordnet.

Was mich das damals gekostet hat, habe ich offengelegt: 59,49 Euro im Monat für die acht Präparate, davon 4,03 Euro auf Posten, die ich mit einer Empfehlung oder einem belegten Anlass begründen konnte. Der Rest lief auf Überzeugung.

Kostenlose Checkliste

Vor der Schwangerschaft nichts Wichtiges verpassen

Fünf Punkte haben vor einer Schwangerschaft eine Frist. Ich habe sie auf einer Seite zum Abhaken zusammengestellt und schicke sie Dir per Mail.

Häufige Fragen

Was ist bei der Vorbereitung auf das zweite Kind anders als beim ersten?

Zwei Dinge. Du kennst Deine eigene Vorgeschichte aus der ersten Schwangerschaft und weißt, worauf Du bei Dir achten musst. Und die Zeit davor ist nicht mehr frei einteilbar, weil vor jeder gezielten Vorbereitung erst die Rückbildung liegt. Die Punkte mit einer echten Frist, also Folsäure und Impfschutz, bleiben dagegen genau dieselben.

Wie groß sollte der Abstand zwischen zwei Schwangerschaften sein?

Eine Zahl, die für alle gilt, gibt es dafür nicht, und die Entscheidung gehört ins Gespräch mit Deiner Frauenärztin oder Deinem Frauenarzt. Ich selbst will mich erst körperlich komplett regenerieren und gezielt trainieren, bevor ich die nächste Schwangerschaft angehe, auch wenn der Abstand dadurch größer wird, als ich ursprünglich wollte.

Muss ich meine Laborwerte vor dem zweiten Kind noch einmal messen lassen?

Ein Befund von vor der ersten Schwangerschaft ist eine Momentaufnahme, und dazwischen liegen eine Schwangerschaft, eine Geburt und womöglich die Stillzeit. Ob sich eine neue Messung lohnt, hängt weniger am einzelnen Wert als daran, ob Dir jemand die Zahlen hinterher einordnet.

Kann ich mit dem Beckenbodentraining direkt nach der Geburt anfangen?

Gezieltes Training setzt eine abgeschlossene Rückbildung voraus, in meinem Guide mit etwa vier Monaten nach der Geburt als frühester grober Orientierung. Wann das bei Dir passt, klärst Du am besten mit Deiner Hebamme oder einer Beckenboden-Physiotherapie.

Wann Du zusätzlich professionelle Unterstützung suchen solltest

Ob eine weitere Schwangerschaft in Deiner Situation medizinisch unbedenklich ist und wie viel Abstand dafür sinnvoll wäre, gehört in ein Gespräch mit Deiner Frauenärztin, Deinem Frauenarzt oder Deiner Hebamme. Das gilt besonders, wenn es in der ersten Schwangerschaft oder bei der Geburt Komplikationen gab, wenn Du regelmäßig Medikamente nimmst oder eine chronische Erkrankung hast. Für den Beckenteil ist eine Beckenboden-Physiotherapie die richtige Adresse, vor allem dann, wenn Beschwerden aus der ersten Schwangerschaft geblieben sind oder Du unsicher bist, ob Deine Rückbildung weit genug ist.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel stellt keine medizinische Diagnose oder Behandlung dar, ersetzt keine ärztliche Beratung und enthält keine Dosierungsempfehlung für Deine persönliche Situation. Sprich über Laborwerte, Präparate und Mengen mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt. Bei bestehenden oder unklaren Beschwerden am Becken sprich vorab mit einer Physiotherapie oder Deiner Frauenärztin/Deinem Frauenarzt.