Ein Rückbildungskurs reicht als Vorbereitung auf eine weitere Schwangerschaft meistens nicht, weil er für die ersten Monate nach der Geburt gemacht ist: Die Krankenkasse zahlt zum Beispiel bei der Techniker bis zu 10 Stunden, die bis zum Ende des neunten Monats nach der Entbindung abgeschlossen sein müssen, und der Schwerpunkt liegt auf dem Beckenboden. Wer nach Beckenschmerzen noch ein Kind plant, braucht danach zusätzlich Training für Rumpf und Hüfte, das über Monate läuft und dessen Belastung nach und nach steigt.

Wofür ein Rückbildungskurs eigentlich gedacht ist

Der Rückbildungskurs gehört zu den Leistungen nach der Geburt, die die Krankenkasse übernimmt, bei der Techniker Krankenkasse zum Beispiel für bis zu 10 Stunden, und abgeschlossen sein muss er bis zum Ende des neunten Monats nach der Entbindung. Schon dieser Rahmen sagt eigentlich ziemlich viel: Der Kurs ist für eine bestimmte Phase gebaut, nämlich die ersten Monate, in denen sich der Körper von Schwangerschaft und Geburt erholt und man überhaupt erst wieder ein Gefühl für den eigenen Beckenboden bekommt.

Mein eigener Kurs bei meiner Hebamme hat zehn Termine à 45 Minuten, einmal pro Woche, und wie so ein Termin abläuft, habe ich im Artikel Rückbildung vs. Vorbereitung aufs zweite Kind genauer beschrieben. Kurz gesagt ist das Niveau ziemlich niedrig und gut machbar, und das finde ich ein paar Wochen nach der Geburt auch richtig so. Irgendwann habe ich mich aber gefragt: Wenn ich weiß, dass ich noch ein Kind möchte, und ich weiß, wie die letzten Wochen meiner ersten Schwangerschaft mit den Symphysenschmerzen waren, was passiert dann eigentlich nach dem zehnten Termin?

Die ehrliche Antwort ist in meinem Fall: nichts. Es gibt weder einen Anschlusskurs noch eine Empfehlung, wie es weitergehen könnte, und eine zweite Schwangerschaft kam im Kurs überhaupt nie vor. Das werfe ich meiner Hebamme auch gar nicht vor, weil der Kurs dafür schlicht nicht da ist. Es heißt aber, dass die Frage, wie man sich auf eine weitere Schwangerschaft vorbereitet, nach dem Kurs komplett bei einem selbst liegt.

Beckenschmerzen sind mehr als ein Beckenboden-Thema

In meinem Kurs dreht sich der Hauptteil um den Beckenboden, mit ganzheitlichen Übungen und zum Teil mit Bildern wie „Kirschen aufsammeln“. Für die Rückbildung ist das genau der richtige Schwerpunkt. Bei Beckenschmerzen in der Schwangerschaft spielt aber mehr mit hinein: Ein Scoping Review von Wuytack, Begley und Daly beschreibt neben hormonellen auch muskuläre und biomechanische Faktoren, und gerade Relaxin, das online gern als alleinige Erklärung dasteht, hat dort eine viel uneinheitlichere Studienlage, als ich gedacht hätte. Mehr dazu steht im Artikel Warum manche Frauen in der zweiten Schwangerschaft wieder Beckenschmerzen bekommen. Dazu kommt, dass das Risiko einer Wiederkehr in einer weiteren Schwangerschaft erhöht ist, wenn schon eine vorherige betroffen war, so fassen es Kanakaris, Roberts und Giannoudis in ihrem Übersichtsartikel zusammen.

Das passt ehrlich gesagt zu dem, was ich in der Schwangerschaft selbst erlebt habe. In der Krankengymnastik habe ich damals zwei Übungen gezeigt bekommen: Bei der einen sollte ich die drei Schichten der Rumpfmuskulatur gleichzeitig anspannen und dann die Knie gegen ein Kissen zusammendrücken, bei der anderen in Seitlage mit angewinkelten Knien das obere Bein aufklappen, für die seitliche Po-Muskulatur. Beides waren Übungen für Rumpf und Hüfte, und so etwas kommt in meinem Rückbildungskurs gar nicht vor. Ich hatte außerdem erwartet, dort zu lernen, wie man die verschiedenen Schichten des Beckenbodens ansteuert, und auch das war in meinem Kurs nie ein Thema.

Was das Stabilisationstraining in der Studie tatsächlich umfasst hat

Die Studie, auf die sich bei Beckenschmerzen nach der Schwangerschaft viele berufen, ist eine randomisierte Studie von Stuge und Kolleginnen aus dem Jahr 2004 mit 81 Frauen. Die eine Gruppe bekam 20 Wochen lang Physiotherapie mit gezielten stabilisierenden Übungen für die Kontrolle und Stabilität der Lenden-Becken-Region, also zuerst für die tiefe Bauchmuskulatur zusammen mit der tiefen Rückenmuskulatur und darauf aufbauend für größere Muskeln wie den großen Gesäßmuskel. Die andere Gruppe bekam individuelle Physiotherapie ohne diese speziellen Übungen. Nach der Behandlung und auch ein Jahr nach der Geburt hatte die Übungsgruppe weniger Schmerzen, weniger Einschränkungen im Alltag und eine bessere Lebensqualität.

20 Wochen so lange lief das Stabilisationstraining in der Studie von Stuge et al., mein Rückbildungskurs hat zehn Termine

Dazu gehört allerdings eine wichtige Einschränkung: Die Frauen in der Studie hatten nach der Geburt bereits Beckenschmerzen, untersucht wurde also die Behandlung bestehender Beschwerden. Ob dasselbe Training eine Wiederkehr in einer späteren Schwangerschaft verhindern kann, hat die Studie gar nicht geprüft, und für meinen eigenen Plan ist das eine begründete Annahme und kein Ergebnis. Was ich daraus trotzdem mitnehme, ist der Rahmen. Wenn schon die Behandlung über 20 Wochen lief und Rumpf und Hüfte mit einbezogen hat, dann ist ein Kurs mit zehn Terminen und Schwerpunkt Beckenboden für eine Vorbereitung einfach zu kurz und zu schmal.

Quellen zu diesem Artikel
  • Techniker Krankenkasse (2026): Kostenübernahme für Rückbildungsgymnastik, bis zu 10 Stunden, Abschluss bis zum Ende des neunten Monats nach der Entbindung.Leistungsbeschreibung tk.de
  • Wuytack, Begley & Daly (2020): Scoping Review zu Risikofaktoren für schwangerschaftsbedingte Beckengürtelschmerzen, u. a. zur Studienlage bezüglich Relaxin und zu muskulär-biomechanischen Faktoren.BMC Pregnancy and Childbirth
  • Kanakaris, Roberts & Giannoudis (2011): Update zu schwangerschaftsbedingten Beckenringschmerzen, u. a. zur Wiederkehr-Rate in einer erneuten Schwangerschaft.BMC Medicine
  • Stuge, Lærum, Kirkesola & Vøllestad (2004): randomisiert-kontrollierte Studie mit 81 Frauen zu 20 Wochen gezieltem Stabilisationstraining bei Beckenringschmerzen nach der Schwangerschaft, verglichen mit Physiotherapie ohne diese Übungen, Nachuntersuchung ein Jahr nach der Geburt.Spine

Warum mehr Training bei mir trotzdem noch warten muss

Wenn der Kurs nicht reicht, liegt der Gedanke nahe, einfach früher mehr zu machen. Genau das habe ich nach dem Wochenbett versucht, ich wollte zu schnell zu viel, und meine Beckenboden-Beschwerden sind dadurch erst einmal wieder schlechter geworden. Auch zwei bis drei Monate nach der Geburt schränkt mich bei etwas längeren Spaziergängen ein starker Druck nach unten ein, und bei einbeinigen Übungen habe ich Schmerzen im Becken, deutlich schwächer als in der Schwangerschaft, aber eben noch da.

Für mich heißt „der Kurs reicht nicht“ deshalb vor allem, dass nach ihm noch etwas kommen muss, und weniger, dass ich jetzt schon mehr machen sollte. Gerade hat die Rückbildung bei mir oberste Priorität, dazu kommt abends eine Routine von etwa 15 Minuten, bei der es beim Beckenboden um Entspannung, Mobilität und Körperwahrnehmung geht, und ein bisschen was für Schultern und Nacken ist auch dabei. Demnächst habe ich einen Termin in einem Beckenboden-Zentrum, und mit der Physiotherapeutin will ich dann besprechen, ab wann mein Trainingsplan für die Vorbereitung sinnvoll ist. Ein festes Datum habe ich mir dafür bewusst gespart, mehr zum Timing steht im Artikel Wie lange vor der nächsten Schwangerschaft mit Beckenboden-Training starten?.

Der Teil, der nach dem letzten Kurstermin kommt

»Beckenfit vor Baby Nr. 2« setzt eine abgeschlossene Rückbildung voraus und nimmt neben dem Beckenboden genau die beiden Bereiche dazu, die in meinem Kurs fehlen: 6 Übungen für die Rumpfstabilität und 9 für die Hüftbeweglichkeit. Verteilt ist das auf 8 Wochen mit 3 Einheiten à 12–25 Minuten, und ein Wochen-Log zum Abhaken zeigt Dir, wo Du gerade stehst.

Beckenfit-Guide ansehen

Drei Fragen für die Zeit nach Deinem Kurs

Ob ein Kurs für Dich reicht, hängt natürlich davon ab, wie Deine erste Schwangerschaft war und was Du vorhast. Wenn Du in der Schwangerschaft Beckenschmerzen hattest und noch ein Kind möchtest, würde ich mir nach dem letzten Termin diese drei Fragen stellen:

Wenn Du bei allen drei Fragen eher zögerst, geht es Dir wahrscheinlich ein bisschen wie mir. Und wenn Du nach dem Kurs noch Druck nach unten spürst oder bei einbeinigen Übungen Schmerzen hast, so wie ich gerade, dann ist vor dem Aufbautraining erst einmal eine fachliche Abklärung dran. Woran man ungefähr erkennt, ab wann mehr Training passt, habe ich im Artikel Beckenboden nach der Geburt: wann mit Training anfangen? zusammengetragen. Und ich versuche in der Zwischenzeit, geduldig mit meinem Körper zu sein, weil die Zeit zwischen den Schwangerschaften für die eigentliche Vorbereitung sowieso erst noch kommt.

Häufige Fragen

Wie viele Stunden Rückbildungskurs zahlt die Krankenkasse?

Die Techniker Krankenkasse übernimmt zum Beispiel die Kosten für bis zu 10 Stunden Rückbildungsgymnastik. Der Kurs muss bis zum Ende des neunten Monats nach der Entbindung abgeschlossen sein. Bei anderen Kassen lohnt sich ein kurzer Blick in die Leistungsbeschreibung.

Was fehlt im Rückbildungskurs, wenn ich nach Beckenschmerzen noch ein Kind plane?

Vor allem Training für Rumpf und Hüfte und eine Belastung, die über Monate steigt. Der Rückbildungskurs hat seinen Schwerpunkt auf dem Beckenboden und ist für die ersten Monate nach der Geburt gedacht. Die bekannte Studie von Stuge et al. zu Beckenschmerzen nach der Geburt hat mit stabilisierendem Training für die ganze Lenden-Becken-Region gearbeitet, über 20 Wochen.

Sollte ich nach dem Rückbildungskurs sofort intensiver trainieren?

Das hängt an Deinen Beschwerden und weniger am Kalender. Spürst Du noch Druck nach unten oder Schmerzen im Becken, oder kannst Du Urin schlecht halten, ist eine Abklärung bei Deiner Frauenärztin, Deinem Frauenarzt oder einer Beckenboden-Physiotherapie der bessere nächste Schritt.

Schützt Training vor der Schwangerschaft sicher vor erneuten Beckenschmerzen?

Eine Garantie gibt es dafür leider nicht. Die Studie von Stuge et al. hat Frauen mit bestehenden Beschwerden nach der Geburt behandelt. Ob dasselbe Training vor einer weiteren Schwangerschaft vorbeugt, wurde dort gar nicht untersucht, es bleibt eine begründete Annahme.

Wann Du zusätzlich professionelle Unterstützung suchen solltest

Ein Rückbildungskurs ist ein Gruppenkurs, und dort ist kaum Raum dafür, Dein Becken und Deinen Beckenboden einzeln zu untersuchen. Wenn Du nach Beckenschmerzen in der Schwangerschaft noch ein Kind planst, finde ich es deshalb sinnvoll, einmal mit einer Physiotherapeutin zu sprechen, die Dich selbst untersucht hat, bevor Du mit einem Aufbautraining anfängst. Das gilt erst recht, wenn Dich nach dem Kurs noch Schmerzen im Becken, ein Druck nach unten oder Probleme beim Halten von Urin, Stuhl oder Winden begleiten. Erste Ansprechpartnerinnen sind Deine Hebamme und Deine Frauenärztin oder Dein Frauenarzt, und eine Beckenboden-Physiotherapie kann ärztlich verordnet werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel stellt keine medizinische Diagnose oder Behandlung dar und ersetzt keine individuelle physiotherapeutische oder ärztliche Beratung. Bei bestehenden oder unklaren Beschwerden sprich vorab mit einer Physiotherapie oder Deiner Frauenärztin/Deinem Frauenarzt.