Für mein zweites Kind ändere ich nach den Symphysenschmerzen vor allem drei Dinge: Ich nutze die Zeit zwischen den Schwangerschaften für gezieltes Training von Beckenboden, Rumpf und Hüfte, ich will in der Schwangerschaft jeden guten Tag für Bewegung nutzen und mich an den schlechten schonen, und sobald die Schmerzen wieder anfangen, baue ich den Alltag um und hole mir Hilfe. Dass die Schmerzen dadurch ausbleiben, kann mir niemand versprechen, es ist mein Plan, und genau so schreibe ich ihn hier auf.

Warum ich beim zweiten Mal nicht einfach abwarten will

In meiner ersten Schwangerschaft hatte ich ab der 33. Schwangerschaftswoche Symphysenschmerzen, und zwar so stark, dass ich irgendwann kaum noch aufstehen konnte und mein Fitnesstraining komplett eingestellt habe. Die ganze Geschichte, von den ersten Schmerzen in der Leiste bis zur Geburt, steht in Symphysenschmerzen vorbeugen: Kann man sie komplett verhindern?, deshalb hier nur das, was für die Planung zählt.

Das eine ist das Risiko. Kanakaris, Roberts und Giannoudis fassen in ihrem Übersichtsartikel zusammen, dass Beckenringschmerzen in einer weiteren Schwangerschaft häufiger wiederkommen, wenn schon eine frühere betroffen war. Das heißt noch lange nicht, dass es bei mir genauso schlimm wird, aber auf Glück will ich mich ehrlich gesagt auch nicht verlassen.

Das andere ist der Alltag. In der ersten Schwangerschaft war ich von der Arbeit freigestellt, mein Mann hat den Haushalt übernommen, und wenn mal etwas liegen blieb, war das halt so. Beim nächsten Mal habe ich zusätzlich ein kleines Kind, um das ich mich rund um die Uhr kümmere, und hochschwanger mit solchen Schmerzen und dazu ein Kleinkind, das ist ehrlich gesagt genau die Vorstellung, vor der ich am meisten Respekt habe.

Vorher: Das Becken steht diesmal auf der Liste

Vor meiner ersten Schwangerschaft habe ich mich monatelang mit Laborwerten beschäftigt, und von Symphysenschmerzen hatte ich trotz jahrelangem Mitlesen bei Mamas auf Social Media nie etwas gehört. Diesmal ist das Becken ein eigener Block, und der liegt vor der Schwangerschaft, weil sich dort am meisten machen lässt: Ohne Bauch ist die Übungsauswahl größer, und ich kann intensiver trainieren, als es später geht. Mein Plan sind Beckenboden, Rumpf und Hüfte mit einer Belastung, die über die Wochen steigt, und realistisch rechne ich mit mehrmals pro Woche ein bis zwei Stunden Training, während mein Mann das Baby übernimmt.

Was ich dabei auf keinen Fall wiederholen will, ist mein Fehler nach dem Wochenbett. Da wollte ich zu schnell zu viel, und meine Beckenboden-Beschwerden sind dadurch erst einmal wieder schlechter geworden. Auch zwei bis drei Monate nach der Geburt spüre ich bei etwas längeren Spaziergängen noch einen starken Druck nach unten, und einbeinige Übungen tun mir im Becken weh. Deshalb hat gerade die Rückbildung Vorrang, demnächst habe ich einen Termin in einem Beckenboden-Zentrum, und wann der gezielte Aufbau losgeht, bespreche ich danach mit der Physiotherapeutin. Warum mir der Rückbildungskurs dafür allein nicht reicht, steht in Rückbildungskurs und zweites Kind: warum er nicht reicht, und mein Timing in Wie lange vor der nächsten Schwangerschaft mit Beckenboden-Training starten?.

Einen größeren Abstand zwischen den Kindern, als ich ursprünglich wollte, nehme ich dafür inzwischen gern in Kauf. Seit ich erlebt habe, welche körperlichen Folgen eine Geburt haben kann, ist mir wichtiger, dass sich mein Körper erst komplett regeneriert.

In der Schwangerschaft: an guten Tagen trainieren, an schlechten schonen

In meiner ersten Schwangerschaft war das erste Trimester durch Übelkeit und Müdigkeit für Sport kaum nutzbar, im zweiten bin ich ab und zu ins Gym gegangen und konnte dort ganz normal trainieren, und ab der 33. Schwangerschaftswoche ging dann gar nichts mehr. Beim nächsten Mal will ich jeden Tag, an dem es mir gut geht, für Training nutzen, und warum die Zeit davor trotzdem das größere Fenster bleibt, habe ich in Beckenboden-Training in der Schwangerschaft vs. davor aufgeschrieben.

Bei meiner Recherche hat mich ein bisschen beruhigt, dass das zu den offiziellen Empfehlungen passt. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Schwangeren ohne Gegenanzeigen regelmäßige Bewegung über die ganze Schwangerschaft, mindestens 150 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche und dazu muskelkräftigende Übungen. Und die europäische Leitlinie zu Beckengürtelschmerzen von Vleeming und Kollegen nennt für Schwangere individuell angepasste Übungen, zusammen mit ausreichender Information und Beruhigung. Das hätte ich damals ehrlich gesagt gern gewusst, als ich im Internet vor allem den Tipp gefunden habe, mich möglichst wenig zu bewegen.

Ob ich mit Schmerzen und Kleinkind wirklich auf 150 Minuten komme, weiß ich natürlich nicht, und genau deshalb gehört das Schonen für mich fest dazu. An schlechten Tagen will ich mich so viel schonen wie nötig und mir die Schwangerschaft so angenehm machen, wie es eben geht, das würde ich genauso wieder machen. Schonen heißt für mich allerdings nicht mehr, komplett im Bett zu bleiben: Das habe ich in der ersten Schwangerschaft zwei Tage lang versucht, und es hat bei mir gar nichts gebracht. Dazu kommt diesmal eine ganzheitlichere Geburtsvorbereitung, körperlich und auch mental. Das alles ist mein Vorhaben für mich und keine Empfehlung für jede Schwangere, und ob und wie viel Training in Deiner Schwangerschaft passt, klärst Du am besten mit Deiner Frauenärztin, Deinem Frauenarzt oder einer Physiotherapie.

Quellen zu diesem Artikel
  • Kanakaris, Roberts & Giannoudis (2011): Update zu schwangerschaftsbedingten Beckenringschmerzen, u. a. zum erhöhten Risiko einer Wiederkehr in einer erneuten Schwangerschaft.BMC Medicine
  • Bull et al. (2020): World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour, für Schwangere ohne Gegenanzeigen regelmäßige Bewegung, mindestens 150 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche, dazu muskelkräftigende Aktivitäten.British Journal of Sports Medicine
  • Vleeming, Albert, Östgaard, Sturesson & Stuge (2008): European guidelines for the diagnosis and treatment of pelvic girdle pain, empfohlen werden ausreichende Information und Beruhigung sowie individuell angepasste Übungen für Schwangere.European Spine Journal

Ein Plan für die Monate zwischen den Kindern

»Beckenfit vor Baby Nr. 2« ist der Plan, den ich für genau dieses Fenster entwickelt habe: 8 Wochen mit 3 Einheiten für Beckenboden, Rumpf und Hüfte, dazu eine tägliche Beckenboden-Basis von 5 Minuten, die im Sitzen und ohne Equipment klappt. Vor dem Start sortiert Dich ein Selbstcheck in eine Ampel ein, und ein Ausblick zeigt, wie es ab Woche 9 weitergeht.

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Wenn die Schmerzen wiederkommen: Alltag umbauen und Hilfe holen

Den größten Unterschied zum ersten Mal plane ich ehrlich gesagt im Alltag. Damals haben mir meine Frauenärztin und meine Hebamme vor allem gesagt, dass solche Schmerzen in der Schwangerschaft normal sind, und viel mehr konnten sie meiner Erfahrung nach auch nicht machen. Die Rückenorthese war angenehm für den Bauch, hat an den Schmerzen aber nichts geändert, und die Übungen aus der Krankengymnastik habe ich wegen der Schmerzen beim Üben kaum durchgehalten.

Wenn die Schmerzen beim zweiten Mal wieder anfangen, will ich deshalb den Alltag anders strukturieren und mir Hilfe holen, damit ich mich nicht stressen muss, wenn zum Beispiel der Haushalt liegen bleibt. Meine Eltern und Schwiegereltern können bei der Kinderbetreuung helfen und uns wie im Wochenbett mit warmen Mahlzeiten versorgen, und mein Mann kann für diese Zeit vielleicht seine Arbeitszeiten etwas reduzieren. Das klingt erst mal unspektakulär, aber genau das ist der Teil, bei dem ich am ehesten das Gefühl habe, selbst etwas in der Hand zu haben, egal wie die Schwangerschaft dann läuft.

Was sich an meiner Haltung geändert hat

Nach der ersten Schwangerschaft war mein erster Gedanke ehrlich gesagt: nicht nochmal schwanger, dann halt Einzelkind, obwohl ich mir immer eine große Familie gewünscht habe. Geholfen hat mir damals wenig, dass so etwas normal ist und an den Hormonen liegt, das hat mich eher hilflos gemacht. Geholfen hat mir, mich mit dem zu beschäftigen, was ich selbst tun kann, und darüber habe ich in Angst vor erneuten Symphysenschmerzen bei Kinderwunsch mehr geschrieben.

Und dann ist da noch etwas, das ich erst jetzt gelernt habe. Wenn die Schmerzen wiederkommen, will ich ihnen mehr mit Hingabe begegnen als aus der Opferrolle heraus. Für mich machen sie mich zu einer stärkeren Version von mir selbst, und diese Veränderung nehme ich dankend an. Das ist meine ganz persönliche Haltung, und ich erwarte das von niemandem sonst, schon gar nicht von einer Frau, die gerade mitten in den Schmerzen steckt.

Und selbst wenn es wieder so kommt, bin ich in der Zeit halt wieder mehr auf meinen Mann und mein Umfeld angewiesen. Die Schmerzen sind wirklich sehr unangenehm, aber die erste Schwangerschaft habe ich irgendwie auch überstanden.

Häufige Fragen

Kommen Symphysenschmerzen in der zweiten Schwangerschaft wieder?

Das Risiko ist erhöht, wenn schon eine frühere Schwangerschaft betroffen war, so fassen es Kanakaris, Roberts und Giannoudis in ihrem Übersichtsartikel zusammen. Ob und wie stark die Schmerzen wiederkommen, lässt sich im Einzelfall aber nicht vorhersagen, und eine Garantie, dass sie ausbleiben, gibt es auch mit Training leider nicht.

Darf ich in der Schwangerschaft trotz Beckenschmerzen trainieren?

Die WHO empfiehlt Schwangeren ohne Gegenanzeigen regelmäßige Bewegung, und die europäische Leitlinie zu Beckengürtelschmerzen nennt für Schwangere individuell angepasste Übungen. Was bei Deinen Beschwerden passt, klärst Du am besten mit Deiner Frauenärztin, Deinem Frauenarzt oder einer Physiotherapie, die Dich selbst untersucht hat.

Was kann ich vor der zweiten Schwangerschaft gegen Symphysenschmerzen tun?

Die Zeit nach der Rückbildung eignet sich für gezieltes Training von Beckenboden, Rumpf und Hüfte, weil die Übungsauswahl ohne Bauch größer ist und Du intensiver trainieren kannst. Dass die Schmerzen dadurch ausbleiben, kann Dir niemand versprechen, und den Start besprichst Du am besten mit einer Beckenboden-Physiotherapie.

Wer kann helfen, wenn die Schmerzen mit einem Kleinkind wiederkommen?

Bei mir sind das vor allem meine Eltern und Schwiegereltern, die bei der Kinderbetreuung helfen und uns mit warmen Mahlzeiten versorgen können, und mein Mann, der vielleicht seine Arbeitszeit etwas reduziert. Medizinisch bleiben Deine Frauenärztin oder Dein Frauenarzt und eine Physiotherapie die richtigen Ansprechpartnerinnen.

Wann Du zusätzlich professionelle Unterstützung suchen solltest

Wenn Du nach Symphysenschmerzen in der ersten Schwangerschaft ein weiteres Kind planst und nach der Geburt noch Schmerzen im Becken, einen Druck nach unten oder Probleme beim Halten von Urin hast, gehört das vor jedem Aufbautraining in fachliche Hände, bei mir ist das der Termin im Beckenboden-Zentrum. Eine Beckenboden-Physiotherapie kann ärztlich verordnet werden. Und wenn Du schon wieder schwanger bist und die Schmerzen anfangen, sind Deine Frauenärztin oder Dein Frauenarzt und eine Physiotherapie die erste Adresse, gerade auch für die Frage, welche Bewegung Dir in dieser Phase guttut.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel stellt keine medizinische Diagnose oder Behandlung dar und ersetzt keine individuelle physiotherapeutische oder ärztliche Beratung. Bei bestehenden oder unklaren Beschwerden sprich vorab mit einer Physiotherapie oder Deiner Frauenärztin/Deinem Frauenarzt.